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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 23.01.2013

Basistunnel-Zulaufstrecke in Bayern erst in 20 Jahren

Alles ist möglich, nix ist fix: Deutsche Bahn und ÖBB ließen bei Auftakt­veranstaltung für Planung der Bahnlinie Kufstein – München Fragen offen.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein, Rosenheim – Es ist so weit: Die Deutsche Bahn (DB) beginnt über die Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel ab München, also durch das bayerische Inntal, nachzudenken. Gemeinsam mit den ÖBB, die planmäßig noch den Abschnitt von Langkampfen bis zur Grenze bei Kufstein offen haben. Basis ist die Vereinbarung der Verkehrsminister vom Juni 2012.

Gestern luden die Unternehmen ins bayerische Rosenheim, um den Tiroler und bayerischen Inntal-Bürgermeistern sowie anderen politischen Vertretern das weitere Prozedere zu erklären. Und um ihnen gleichzeitig mitzuteilen, das man eigentlich noch nichts weiß – oder zumindest nichts sagen will.

Auch die künftige Trassenführung bei Kufstein ist derzeit noch vollkommen offen. Heinz Gschnitzer von der ÖBB-Infrastruktur AG will nicht einmal eine oberirdische Trasse ausschließen. „Fest steht bis jetzt nur ein Planungskorridor links und rechts des Inns, in dem die künftigen Trassen ermittelt werden“, erklärte Gschnitzer gegenüber der TT.

Der weitere Verlauf ab Kufstein wird von vielen Faktoren abhängen. So ist es laut Stefan Kühn (DB Netz AG) noch nicht sicher, dass in Bayern überhaupt eine zusätzliche Trasse errichtet wird. Auch die Verbesserung bzw. Adaptierung der bestehenden Gleisanlagen sei möglich. Vor einer Entscheidung müssten „erst die Prognosen über die Entwicklung des Verkehrs und die Bestandstrasse analysiert werden“, sagte Kühn.

Die bayerischen Inntal-Bür­germeister wissen indes genau, was sie wollen: so rasch als möglich die Aufarbeitung der Prognosezahlen, einen Ausbaustandard wie bei der neuen Unterinntaltrasse und eine Bürgerbeteiligung wie in Tirol. Die sei nämlich vorbildlich gewesen.

Vage bleiben DB und ÖBB übrigens auch bei der Frage der Fertigstellung: Bis 2025/26 sollten laut Plan Zulaufstrecken und Brennerbasistunnel fertig sein. Für Kühn kein zwingendes Datum: „Denn es ist nicht zu erwarten, dass sich bei Eröffnung des Tunnels die Zugzahl gleich verdreifacht.“ Daher wollte er sich von den anwesenden Politikern weder zu diesem Thema noch zu den Kosten festnageln lassen.

Jetzt gelte es zuerst einmal, alle internen Vorkehrungen zu treffen. Kühn rechnet mit einer Dauer von einem Jahr für diesen ersten Schritt, danach sei auch die engere Einbindung der Bürger geplant. „Aber derzeit wissen wir ja nicht einmal, wer alles vom Bahnbau betroffen ist.“

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