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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 06.02.2013

Behörden fragten in Aldrans um Heimplatz für Betrüger an

Just der ehemalige Buchhalter, der im Altenheim 698.200 Euro ver­untreut hat, sollte jetzt in Aldrans gepflegt werden. Verband lehnte ab.

Innsbruck – 698.200 Euro soll Christoph Zoller vom Aldranser Altenheim abgezweigt haben. Ende September flog der Großbetrug auf, seit Mitte Dezember liegt ein Prüfbericht einer externen Kommission vor, der dem Heimleiter, der Verbandsführung und dem Kontrollausschuss massives Kontrollversagen vorwirft. Als Konsequenz traten die betroffenen Verbandsbürgermeister von ihren Funktionen zurück, Bundesrätin Anneliese Junker (VP) aus Rinn führt jetzt den Altenheimverband. Mittlerweile liegen die Nerven im südöstlichen Mittelgebirge blank, aus einzelnen Gemeindestuben werden Giftpfeile abgeschossen.

„Das kann es nicht sein, es muss wieder Ruhe einkehren“, sagt Junker. Die rund 60 Mitarbeiter, „die hervorragende Arbeit leisten“, würden darunter leiden. In einer Verbandsversammlung am 14. Februar soll deshalb Klartext gesprochen werden. Denn trotz des Prüfberichts sind noch viele Fragen offen, und die sorgen offenbar für Spekulationen. Seit wenigen Tagen ist die Geschichte um das Altenheim St. Martin jedoch um eine Facette reicher.

Der ehemalige Buchhalter Christoph Zoller erlitt bekanntlich im August mehrere Schlaganfälle. Dadurch flogen die Malversationen dann erst auf. Seither wird Zoller in einer Klinik in Bayern gepflegt. Gegenüber der TT bestätigte Junker, dass sie jetzt von den deutschen Behörden mit der Anfrage konfrontiert worden sei, „ob nicht das Alten- und Pflegeheim Aldrans just den mutmaßlichen Großbetrüger zur Pflege aufnehmen kann“. Dass habe man selbstverständlich abgelehnt, fügt Junker hinzu.

Einen Schlussstrich hat der Verband mit der Geschäftsführung gezogen. „Wir haben den Heimleiter mit 31. Jänner gekündigt, er wird uns im Juni verlassen“, betont Junker. Derzeit werde noch über eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses verhandelt, „das ist nach wie vor unser Ziel“. Zuletzt tauchten innerhalb des Verbands rund um den Großbetrug durch untergejubelte Sammelüberweisungen und anschließende Barbehebungen zahlreiche Fragen auf.

Die Anzeige beim Landeskriminalamt erfolgte durch eine Mitarbeiterin, der Verbandsobmann informierte erst Tage später die Öffentlichkeit. Anfangs war noch von gefinkelten Computermanipulationen die Rede, obwohl relativ rasch klar war, wie das Geld verschoben wurde. Ob Christoph Zoller jemals vernehmungsfähig sein wird, das steht derzeit nicht fest.

Für Spekulationen sorgen indes zwei SMS, die nach den Schlaganfällen Zollers von dessen Handy abgeschickt wurden: eines am 18. August und ein anderes am 20. August. Wer die Nachrichten versendet hat, darüber gibt es derzeit keine Auskünfte. Ob das Altenheim je wieder einen Cent der veruntreuten 698.200 Euro sieht, darüber gehen die Meinungen ebenfalls auseinander. „Das Geld muss schließlich irgendwo sein“, betont Verbandsobfrau Anneliese Junker. Das Landeskriminalamt ermittelt in diesem Zusammenhang in alle Richtungen. Möglicherweise hat Zoller bis zu seinem ersten Schlaganfall Anfang August einen Teil des Geldes auch auf ihn zurechenbare Konten verschoben. (pn)