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Zehn Monate bedingte Haft für Innerebner-Chef

Hussl bestätigte heute nochmals vor Gericht, dass er Klaus Mair bei seinen Veranlagungen voll vertraut habe.

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der Niedergang des über 140 Jahre bestehenden Innsbrucker Bau- und Immobilienunternehmens Innerebner fand gestern am Landesgericht für den einst so bekannten Geschäftsführer Ekkehard Hussl zumindest strafrechtlich ein Ende. Richter Josef Geisler verhängte über den völlig unbescholtenen 71-Jährigen wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen in der Höhe von zehn Millionen Euro rechtskräftig zehn Monate bedingte Haft.

Laut Staatsanwalt Florian Oberhofer führten „außergewöhnlich gewagte Geschäfte, die nicht zum gewöhnlichen Wirtschaftsbetrieb der Innerebner-Gesellschaften gehörten und einem Spiel oder einer Wette gleichzusetzen waren – sprich Yen-Fremdwährungskredite und äußerst risikoreiche sowie spekulative Devisengeschäfte“ zur 25-Millionen-Euro-Großpleite der Gruppe. Hussl bekannte sich für all das auf Anraten von Verteidiger Albert Heiss zwar schuldig, fühlt sich aber bis heute nicht so.

„Sind Ihnen ihre Geschäfte nicht allzu gewagt vorgekommen, so wie man im Casino auf rot und schwarz setzt?“, fragte Richter Geisler provokant. „Nein! Ich habe nur Kredite für Immobilien aufgenommen und habe geglaubt, dies sei alles ein sicheres Geschäft!“, antwortete der einstige Immobilien-Guru. Verteidiger Albert Heiss bezeichnete dessen Mandanten offen als Opfer seines Finanzberaters Klaus Mair (alle Ermittlungen gegen Mair wurden jedoch eingestellt) und reklamierte dies als Milderungsgrund. So habe Hussl auf Geheiß von Mair bis zuletzt an die Überweisung von 42 Millionen Euro durch eine Investmentbank geglaubt.

Der österreichweit bekannte Wirtschaftsgutachter Martin Geyer stellte bei Inner­ebner zusätzlich auch eine chaotische Buchhaltung fest, welche letztlich nicht einmal mehr der Masseverwalter durchblickte. Auch seien die Privatentnahmen angesichts der desaströsen Finanzlage der Firma mit 100.000 Euro jährlich zu hoch gewesen.

Richter Geisler wollte indes die Mitarbeit von Klaus Mair nicht als Milderungsgrund für Hussl anerkennen: „Dieser Mann ist als Finanzjongleur zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. So jemandem kann man bei Veranlagungen nicht einfach blind vertrauen!“