Archiv

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 08.02.2013

„Jetzt wird‘s gruftig“

Heute Samstag beraten die Gesellschafter über das Haus der Musik. Es soll dem Orchester professionelles Arbeiten ermöglichen – besser heute als morgen: ein Lokalaugenschein.

drucken

Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Ein Rundgang durch das Stadtsaalgebäude ist auch ein olfaktorisches Erlebnis: von muffig bis stickig, von bier- bis küchendunsti­g, alles dabei. Auch bildlich gesprochen gibt es dicke Luft, nämlich im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI) ob der neuerlich drohenden Verzögerungen beim Bau eines Hauses der Musik.

Stadt und Land schieben sich derzeit, wie berichtet, gegenseitig den schwarzen Peter zu, wenn es um die Frage geht, wer Schuld am Stocken des Projektes trägt. Heute Samstag setzen sich die Gesellschafter der Landestheater & Orcheste­r GmbH (55 Prozent hält das Land, 45 Prozent die Stadt) an einen Tisch. Einziger Tagesordnungspunkt: das weitere Vorgehen in Sachen Haus der Musik.

Auf dessen Realisierung vor allem das Orchester inständig hofft: Mehr schlecht als recht hat sich der Klangkörper in den Stadtsälen eingerichtet, die ehemaligen Fraktionszimmer des Gemeinderats zu Übezimmern umfunktioniert, die Säle als Probe-Provisorium adaptiert, miserable Beleuchtung und Akustik akzeptiert, die Instrumente schon unzählige Male vom Landes­theater umständlich über den Seiteneingang hierher und zurück transportiert. „Im kleinen Stadtsaal gibt es keine Lüftung und keine richtige Heizung“, erklärt Alexander Rainer, Leiter des Orchesterbüros. Durch die einfach verglasten, raumhohen Fenster zieht‘s im Winter, während im Sommer die Sonne unbarmherzig hereinbrennt. Probt man im großen Stadtsaal, kommen die Musiker mitunter in den Genuss von Essensgerüchen, nämlich dann, wenn im angrenzenden Stadtcaf­é die Küch­e in Betrieb geht. Zugleich, so Rainer, ginge im Gebäude sowieso gar nichts: Gibt es eine Veranstal­tung im großen Stadtsaal, ist der kleinere für Proben tab­u, dasselbe gilt für die Übezimmer. Schallschutz Fehl­anzeige.

Nicht nur das ist auf die Nutzung des gesamten Stadtsaalge­bäudes und auf die Orchesterorganisation hin gesehen denkbar unökonomisch. Es geht um Reduktion der Auf- und Abbauarbeiten für die Orchesterproben mit bis zu 150 Personen, um Verringerung der Transportwege etc. In den Absichtserklärunge­n von Stadt und Land sind auch das Argumente für ein Haus der Musik.

Als „ausstattungs­technisch am Ende seiner Lebensdaue­r“ und von nicht ausreichende­r künstlerischer und kultureller Bedeutung für eine Unter­schutzstellung wird das Stadtsaalgebäude im Denkmal­bericht 2006 bezeichnet. Da und dort könnte man ihm vielleicht dennoch einen gewissen, verlotterten Fünfziger­jahrecharme abgewinne­n. Im Keller eher nicht. „Jetzt wird‘s gruftig“, warnt Rainer und betätigt den Knopf des Lastenliftes. Hier unten werden Instrumente gelagert – auch das, gelinde gesagt, subobtimal. Rainer: „Damals beim Hochwasser haben wir Glück gehabt, dass nichts passiert ist.“

Mit Wassereintritten haben aufgrund des baulichen Zustand­s des Gebäudes aber die Kammerspiele schon so manche unschöne Erfahrung gemacht. Der Notausgang der Bühne ist zugleich Liefereingang des Stadtcafés. Es riecht nach Bier. Und nach Handlungsbedarf.

drucken