Postalisches Niemandsland
Von Angela Dähling
Weerberg – Die Schließungswelle, die über diverse Postämter hereinbrach, ist gerade verdaut. Doch der Ärger über das Postmanagement geht im Bezirk Schwaz weiter.
Nachdem sich unlängst der Schwazer Bürgermeister öffentlich über die Personalpolitik des staatlichen Unternehmens aufgeregt und die damit verbundenen Zustellungsprobleme in Schwaz genannt hat (die TT berichtete), hallt nun ein lauter Aufschrei aus Weerberg durch das Inntal. Denn die idyllisch am Berg gelegene Inntalgemeinde ist letzte Woche zur Hälfte ein postalisches Niemandsland gewesen. Weder Briefe noch Zeitungen, die per Post zugestellt werden, erreichten ihre Empfänger.
„Am ersten Tag dachte ich noch, das kann ja mal passieren, als ich meine Tageszeitung nicht bekam“, schildert Christoph Eder vom Ortsteil Innerberg. „Am zweiten Tag habe ich dann die Postservicestelle angerufen. Die in Wien mussten sich erstmal schlaumachen und riefen am nächsten Tag zurück“, schildert Eder. Man habe sich vielmals entschuldigt und Eder als Grund für die Nichtzustellung Krankenstände und Personalmangel genannt.
Dass ein Teil der Weerberger Post erhielt, obwohl beide dort tätigen Briefträger krank sind, ist dem Zusteller für Pill/Pillberg zu verdanken, der bis in die Abendstunden zusätzlich in Weerberg unterwegs war.
Auch im Gemeindeamt, das ebenso wie die örtliche Bank von dem Briefträgerausfall betroffen war, ist der Ärger groß. „Das ist eine wilde Sauerei. Heute Montag haben wir wieder keine Post erhalten. Und kein Mensch weiß, wie lange das so bleibt. Das kann‘s ja wohl nicht sein, unsere Bürger sind erzürnt“, schimpfte der Weerberger Vizebürgermeister Albin Unterlechner, als die TT ihn gestern um eine Stellungnahme bat. Ein Mitarbeiter der örtlichen Bank sei gestern schließlich zur Postzustellbasis neben dem Schwazer Bahnhof gefahren, um die Post für die Bank und für die Gemeinde selbst abzuholen. Dort hätten sich inzwischen auch einige andere Weerberger ihre Post selbst geholt, heißt es.
Mit den Zustellproblemen steht Weerberg nicht allein da. Auch im Schwazer Ortsteil Ried konnte die Post vorige Woche an mehreren Tagen nicht zugestellt werden, weil der Zusteller erkrankt war. In Fiecht muss man sich seit zwei Monaten daran gewöhnen, dass der Postmann nur jeden zweiten Tag klingelt. Das Vomper Gemeindeblatt erreicht die Haushalte seit Monaten ebenfalls verspätet.
Michael Homola, Pressesprecher der Post, begründet das Problem in Weerberg mit dem „außergewöhnlichen Umstand“, dass mit fünf Briefträgern ein Viertel der Mannschaft erkrankt sei. „Wir haben keinen Ersatz auftreiben können“, sagt er. Und zwar auch deshalb, weil es in Weerberg keine logisch aufeinanderfolgende Hausnummerierung gibt und jemand ohne Ortskenntnis sich nicht zurechtfinden würde. „Ab heute Dienstag sollte es mit der Zustellung wieder klappen“, sagt er. Man habe im Übrigen für die 9000 Briefträger in Österreich eine Aufstockung der Reserve-Mitarbeiter von 60 auf 100 Mitarbeiter beschlossen, die vor allem ländlichen Gebieten zugutekommen werde.
Für Heinz Kirchmair, Personalausschussvorsitzender bei der Post in Tirol, ist das keine Lösung. Probleme gebe es in ganz Tirol, „in Schwaz aber herrschen unhaltbare Zustände“, sagt er. Hier hätten verdiente, drei Jahrzehnte lang tätige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. „Sie sollen durch Billigkräfte ersetzt werden“, sagt Kirchmair. Seither herrsche eine riesige Fluktuation. Denn viele der neuen Mitarbeiter würden nach wenigen Tagen aufgrund der Arbeitsbelastung das Handtuch werfen – sie seien täglich bis zu 14 Stunden unterwegs, schildert der Personalvertreter.
Schuld an der Misere sei eine im September 2012 in Wien beschlossene Betriebsvereinbarung. „Zustellbezirke wurden vergrößert und die Arbeitszeit auf 42,5 Wochenstunden ausgeweitet, wobei neue Mitarbeiter brutto 1345 Euro verdienen“, erklärt er. 60 Briefträger seien allein in Tirol eingespart worden. „Dabei schreibt die Post tiefschwarze Zahlen und wird 2012 wahrscheinlich einen Rekordgewinn erzielt haben“, behauptet Kirchmair.






