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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 03.06.2013

Der Tag der gefragten Väter

Was hat Nixon mit unserem Vatertag zu tun und warum wartet auf den deutschen Vater morgen ein Kater? Wir fragten vier Tiroler, was sie über das Vater-Sein wissen wollten und erfuhren verblüffende Details über Papas Ehrentag.

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Von Miriam Hotter

Der Schlager „Papa wird’s schon richten“ von Peter Alexander kommt nicht von ungefähr. Mein Papa war es, der mein kaputtes Kinderauto wieder zusammengelötet hat. Er war es auch, der mir mein aufgeschürftes Knie verband und mir die Süßigkeiten, die in Mamas Versteck gelagert waren, heimlich zusteckte. Und er war es, der am Kindergeburtstag auf allen Vieren durch die Wohnung krabbelte, um jauchzende Kinder als Pony zu transportieren.

Augenblicke wie diese sind einer Studie von Proctor & Gamble zufolge für 75 Prozent der Österreicher die glücklichsten Kindheitserinnerungen. Es sind nämlich nicht große Geschenke oder Gesten der Eltern, die für Kinder wirklich zählen, sondern gemeinsame Erlebnisse.

Solche Momente möchte der Innsbrucker Alexander Jambor so viele wie möglich mit seinem noch ungeborenen Kind verbringen. Deshalb überlegt er, in Väterkarenz zu gehen. „Ein Freund von mir ist gerade in Karenz und das wäre auch etwas für mich“, sagt er. Österreich ist im internationalen Vergleich bei der Väterquote in der Karenz immer noch im unteren Durchschnitt. Bei Eltern, die diese – vor dreieinhalb Jahren eingeführte – Kindergeld-Variante gewählt haben, geht laut Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek 4,5 Prozent der österreichischen Väter in Karenz. In Tirol waren es 2012 laut Arbeiterkammer 394 Männer, die Kindergeld bezogen haben. Eine Spitzenposition nimmt wie so oft Skandinavien ein, wo 89 Prozent der Väter eine berufliche Auszeit für die Kinderbetreuung nehmen.

Apropos Zahlen: Zählt man alle bisher gefeierten Vatertage in Österreich, kommt man auf die Zahl 58. In Österreich wird der Ehrentag nämlich seit dem Jahr 1955 gefeiert. Wie der Muttertag stammt auch der Vatertag aus den USA. Dort beantragte Sonora Smart Dodd aufgrund der Einführung des Muttertages, dass auch die Väter die Würde eines eigenen Feiertages bekommen. 14 Jahre später, im Jahr 1924, gab der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Calvin Coolidge eine Empfehlung zur Einführung eines Feiertages an die Bundesstaaten heraus. 1972 bestimmte Präsident Richard Nixon den Vatertag als offiziellen Feiertag. Allerdings fällt der Vatertag in den USA immer auf den dritten Sonntag im Juni, nicht wie in Österreich auf den zweiten.

Andere Länder, andere Sitten. Mancherorts gewinnt man den Eindruck, dass es sich eher um einen Männertag handelt als um eine Hommage an das Familienoberhaupt. Bei unseren deutschen Nachbarn ist der Vatertag – der dort zu Christi Himmelfahrt gefeiert wird – nicht von Ausflügen mit der Familie oder kleinen Geschenken der Kinder gekennzeichnet, sondern von einer Lokaltour in feucht-fröhlicher Männerrunde. Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es an diesem Tag auch durchschnittlich dreimal so viele durch Alkohol bedingte Verkehrsunfälle als an anderen Tagen.

Jeden Tag „Vatertag“ haben 8600 Österreicher. Genauso viele Männer ziehen laut Statistik Austria (Stand 2012) ihren Nachwuchs alleine auf.

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