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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 15.07.2013

Auch bei Strahlentherapie drohen große Wartezeiten

Klinik kämpft mit Personalknappheit: Vor allem Krebspatienten müssen sich in den Sommermonaten auf erhebliche Wartezeiten einstellen.

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Von Peter Nindler

Innsbruck – Ende Juni gab es einen Spitalsgipfel der Landesärzte bei Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Bis Herbst sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation der Landesärzte auf dem Tisch liegen. Ab 2015 wird es ein neues Gehaltsschema geben, zwischenzeitlich eine Interimslösung, um das Abwandern der Spitalsärzte in andere Bundesländer oder ins benachbarte Ausland in die Schweiz oder nach Deutschland zu verhindern. Doch zu Sommerbeginn hat sich die Personalsituation im Landeskrankenhaus Innsbruck zugespitzt.

In den Operationssälen herrscht Alarmstufe Rot, die OP-Helfer proben den Aufstand, die Krankenhausführung musste reagieren. Krankheitstage steigen, immer mehr Mitarbeiter wechseln. Mit ressourcenbedingten Schließungen von OP-Sälen bzw. einer besseren OP-Planung will man darauf reagieren, damit es zu keinen Verschiebungen kommt.

Doch nicht nur im Operationsbereich gibt es massive Engpässe. Auch Krebspatienten müssen sich jetzt auf Wartezeiten einstellen. Schriftlich hat der Chef der Strahlentherapie-Radioonkologie, Peter Lukas, die Klinikdirektoren und Oberärzte am 2. Juli auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht. „Aufgrund der angespannten Personalsituation der Universitätsklinik für Strahlentherapie-Radioonkologie kann es zu erheblichen Wartezeiten für einzelne Patienten kommen. Wir bitten um Verständnis“, informierte Lukas am 2. Juli.

Für die ärztliche Direktorin des Landeskrankenhauses Innsbruck ist die Information von Lukas vorbeugend zu sehen. „Die Strahlentherapie ist personell knapp besetzt, Fachkräfte sind Mangelware. Wir haben zwar schon mit radiologisch-technischen Assistenten aufgestockt, aber im Sommer sind Engpässe möglich.“ Lukas weise vorsorglich darauf hin, die medizinische Versorgung sei jedoch in jeder Hinsicht gewährleistet.

Dass die Klinik in den Sommermonaten wieder verstärkt in den Mittelpunkt rückt, verwundert die grüne Gesundheitssprecherin, LA Gabriele Fischer, keinesfalls. „Es gibt keinen Handlungsspielraum mehr, es braucht endlich ein grundlegendes Konzept.“ Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) sei gefordert, die Grünen als Regierungspartner würden die Einsetzung einer Expertengruppe vorschlagen. „Die Situation der Ärzte ist eine Ebene, aber wir müssen ehrlich darüber diskutieren, was können und was wollen wir leisten.“ Die Debatte soll laut Fischer tirolweit geführt werden. „Auch wenn es wehtut, dürfen wir die Frage nicht aussparen, ob die Klinik noch für den medizinischen Bereich ein Zentrum anbieten muss.“

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