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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 18.07.2013

Tiroler sind keine Waffennarren

In Osttirol schoss ein Würstelstandbesitzer mit Waffenbesitzkarte auf einen Mopeddieb. 8664 Tiroler verfügen über eine derartige Karte.

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Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Das ist eine irre Geschichte. Der Vorfall erinnert mich an den Wilden Westen“, sagt Dietmar Schlemmer von der Polizeiinspektion Dölsach zur Würstelstand-Causa. Vor gut einer Woche hätte ein 20-jähriger Osttiroler den versuchten Diebstahl eines Mopeds in Iselsberg beinahe mit seinem Leben bezahlt.

Der Besitzer des Zweirades, ein Würstelstandbesitzer, eröffnet­e das Feuer, ein Projektil traf den Oberarm des Täters. Und verfehlte so nur knapp den Brustkorb und damit lebenswichtige Organe. „Der Mann wird von uns wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt“, sagt Schlemmer. Er kann sich das Verhalten des Schützen nur durch eine komplette Überreaktion erklären. „Es hat überhaupt keine bedrohliche Situation bestanden“, berichtet Schlemmer. Die Polizei beschlagnahmte die nicht angemeldete Pistole und zwei weitere Waffen des Schützen. Gegen den In­haber einer Waffenbesitzkarte wurde ein Waffenverbot verhängt. Der 50-Jährige hatte mit einer kleinen vierläufigen Pistole, Marke Derringer, geschossen. „Das sind die Pistolen, die in Wildwest-filmen gezückt werden“, weiß Schlemmer.

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hansjörg Mayr spricht von einem Einzelfall. Dennoch stellt sich die Frage: Wie viele Tiroler dürfen eine Waffe besitzen oder sogar mitführen?

Ingo Gstrein von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz nennt die Zahlen ohne Innsbruck Stadt. 7521 Tiroler verfügen über eine Waffenbesitzkarte, davon sind 540 Frauen. „Die Zahl der Frauen, die eine Waffe besitzen, ist leicht im Steigen begriffen“, sagt Gstrein. Waffenpässe nennen 3266 Tiroler ihr Eigen, davon 66 Frauen. Um die waffenrechtlichen Dokumente zu erhalten, sind ein einwandfreier Leumund, ein psychologisches Gutachten und ein Waffenführerschein Voraussetzung. „Einen Waffenpass erhält man heute fast nicht mehr. Nur Aufsichtsjäger, Berufsjäger und Menschen, die für Personenschutz oder Geldtransporte zuständig sind, haben einen Rechtsanspruch darauf“, so Gstrein. Bei den 3266 Waffenpass-Besitzern seien viele ältere Genehmigungen darunter. „Dieses Recht kann man den Menschen nicht mehr wegnehmen. Alle fünf Jahre muss der Waffenbesitzer aber einen Nachweis erbringen, dass er sachgemäß mit der Waffe umgeht.“

In Innsbruck gibt es 1143 Menschen mit Waffenbesitzkarte und 497, die über einen Pass verfügen. „Es gibt einen signifikanten Rückgang bei den Waffenpassbesitzern, früher hatte praktisch jeder Taxler eine Waffe“, sagt Angelika Leisch-Pfaringer von der Landespolizeidirektion. Menschen, die eine Losung zur Bank bringen mussten, erhielten einen Waffenpass. Mittlerweile gibt es ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes, dass keine besondere Bedrohung bestehe, wenn man eine Losung zur Bank bringen müsse. „Damit könne man eine Sicherheitsfirma beauftragen, argumentiert der Verwaltungsgerichtshof“, weiß Leisch-Pfaringer.

Der Klinische Psychologe Bernhard Holzner führt pro Jahr 15 bis 25 waffenpsychologische Gutachten durch. „Zehn bis 20 Prozent fallen negativ aus“, sagt Holzner. Der Rückgang bei Waffenbesitzkarten und vor allem Waffenpässen sei eine Folge der Einführung der psychologischen Gutachten.

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