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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 30.08.2013

Hochwasser in Kössen

„Hilfsbereitschaft war und ist überwältigend“

Vor drei Monaten versank Kössen im Hochwasser. Nur langsam erholen sich die Betroffenen vom schweren Schock, den die Katastrophe auslöste.

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Von Katharina Zierl

Kössen – Er hat tiefe Spuren hinterlassen: Der Tag, an dem ganze Siedlungen in Kössen von Wassermassen zerstört wurden, ist nach wie vor präsent. Drei Monate nach der Katastrophe schöpfen viele langsam wieder Hoffnung und Mut. Mit Hochdruck wird am Wiederaufbau der Häuser gearbeitet. Was bleibt, ist die Erinnerung – und die Angst, wieder von einem Hochwasser heimgesucht zu werden.

„Das waren die härtesten drei Monate meiner Amtszeit“, sagt Kössens Bürgermeister Stefan Mühlberger, der seit 16 Jahren als Ortschef tätig ist. „Es kam wie ein Blitzschlag, in den ersten zwei Wochen hatte ich keine Zeit zum Nachdenken, es mussten so viele Entscheidungen auf einmal getroffen werden“, erzählt der Bürgermeister. Irgendwann habe man dann versucht, einen Überblick zu bekommen und die Situation „irgendwie wieder ins Lot zu bringen“. Wie groß die Hilfsbereitschaft der Menschen war und nach wie vor ist, sei auch für Mühlberger nicht absehbar gewesen: „Das lag außerhalb meiner Vorstellungskraft. Egal ob es um die ersten Hilfen bei den Aufräumarbeiten, um Sachspenden oder finanzielle Unterstützung ging – das ist nach wie vor einfach überwältigend.“ Würden die Betroffenen jetzt, zwölf Wochen nach der Katastrophe, in die Zukunft blicken, „haben die meisten wieder eine Perspektive“.

Und dennoch: Viele pochen mit Nachdruck darauf, dass geforderte Schutzmaßnahmen möglichst rasch umgesetzt werden. „Natürlich ist das verständlich, aber Schnellschüsse bringen nichts. Wir werden das Bestmögliche für die Bevölkerung umsetzen, aber das braucht eben alles seine Zeit“, betont Mühlberger. Er habe von allen Fachleuten die fixe Zusage, dass sie „schnell weiterarbeiten“.

Dass das Land Tirol erstmals im Voraus Gelder aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung gestellt hat, sei für die Bevölkerung enorm wichtig gewesen, sagt der Bürgermeister. „Erstens aus psychologischer Sicht, weil die Betroffenen gemerkt haben, dass sie mit ihrem Schaden nicht allein dastehen. Und natürlich konnten sie mit dem Geld auch schon gewisse Anzahlungen leisten“, erklärt Mühlberger.

Inzwischen gibt es eine zehnköpfige Kommission, die über die Verteilung der Spendengelder entscheidet. „Es hat wirklich große Summen gegeben. Die Schützen etwa brachten 100.000 Euro, der Vertreterstammtisch 60.000 und Firmen spendeten ebenfalls Großbeträge zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Bei der Endabrechnung werden wir schauen, wo es noch Härtefälle gibt – und die Gelder demnach verteilen“, sagt Mühlberger. „Es muss ganz klar nachvollziehbare Kriterien geben, nach denen die Gelder aufgeteilt werden, damit keinesfalls das Gefühl irgendeiner Freunderlwirtschaft entsteht.“ Alles in allem keine leichte Aufgabe, fügt der Bürgermeister hinzu.

Die Stimmung in der Bevölkerung sei insgesamt aber positiv: „Es geht aufwärts. Wir hätten niemals gedacht, dass die Betroffenen bis zu 90 Prozent ihres Schadens ersetzt bekommen. In Sachen Schutzmaßnahmen rumort es zwar noch, weil nicht sofort die Bagger auffahren, aber ich bleibe da sicher dran“, betont Mühlberger.

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