Retter, die an die Grenzen gehen
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Feuerwehrmänner und Bahnmitarbeiter hielten den Helikopter im Zillertal nieder, weil die teure Maschine abzustürzen drohte.Foto: Zoom-Tirol
Foto: ZOOM-TIROL
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Straßensperren – Verkehrssituation im Überblick
Abgeschnitten. Nach einer weiteren Nacht mit intensiven Schneefällen war Montagfrüh Vorarlberg von Tirol abgeschnitten. Die Arlbergbahn bleibt wegen der Lawinensituation noch bis mindestens heute Nachmittag gesperrt.
Straßensperren. Zu Redaktionsschluss waren folgende Straßen in Tirol noch gesperrt: Paznauntalstraße (B188) zwischen Kappl und Galtür; Seefelder Straße (B177) zwischen Scharnitz und Staatsgrenze; Arlbergstraße (B197) zwischen Arlbergpass und St. Anton; Gnadenwaldstraße (L225) zwischen Absam/Abzweigung Mils und Michaelerhof; Felbertauernstraße (P1); Tuxer Landesstraße (L6) zwischen Finkenberg und Hintertux; Kaunertal-Landesstraße (L18) zwischen Kaunertal und Straßenkreuzung Prutz; Unterinntal-Landesstraße (L215) zwischen Stans und Jenbach; Pillersee-Landesstraße (L2) zwischen Straßenkreuzung Fieberbrunn und St. Jakob; Piller Straße (L17) zwischen Wenns und Piller.
Innsbruck – Am Ende brauchten die Retter Hilfe. Montagvormittag drohte auf der Katzenmoosbahn in Finkenberg der Alpin5-Hubschrauber abzustürzen. Der Helikopter war nach der Landung im hinteren Bereich eingebrochen. Bahnpersonal und Feuerwehmänner hielten den Hubschrauber nieder, ehe dieser mit einem gewagten Manöver abheben und an einem sicheren Ort landen konnte. Den Notfalleinsatz musste derweil ein anderer Hubschrauber übernehmen. Es war nicht der erste Einsatz dieser Tage, in dem sich die Retter selbst in größte Gefahr begaben.
Eine Nacht vorher war im selben Gebiet die Bergrettung ausgerückt. Gegen 21 Uhr hatte es erst geheißen, vier Russen seien unter eine Lawine bei der Harakiripiste im Mayrhofner Skigebiet gekommen. Doch die Russen waren nicht auf Piste 18, sondern bei Stütze 18 der Horbergbahn in Schwendau im mannshohen Schnee stecken geblieben. Ein gefährlicher Einsatz für 16 Retter, die nicht nur die Urlauber aus Russland, sondern noch einen Briten vorfanden. Bei einem weiteren Einsatz wurden drei russische Skifahrer in einem Wald beim Penken gefunden. „Das sind derzeit extreme Situationen für alle Einsatzkräfte“, sagt Michael Knauer von der Bergrettung Mayrhofen. Die Retter stünden unter Zugzwang und Druck. Oberste Devise sei aber: „Selbstschutz vor Fremdschutz. Es gibt genug Gebiete, wo wir momentan nicht hingehen würden.“ Mit jenen, die gerettet werden, gebe es einen „professionellen Umgang“. Da sei kein Platz für Aggression oder Ärger. Dass sie 16 Menschen in Lebensgefahr gebracht haben, das hätte man den Urlaubern aber schon gesagt.
Der Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, Peter Veider, übt diesbezüglich Selbstkritik: „Vielleicht sind wir in den letzten Jahren bei manchen Sucheinsätzen am äußersten Limit gewesen“, sagt Veider. Das Risiko für die eigenen Leute müsse „sensibler eingeschätzt“ werden. Deshalb seien die Bergretter bei einem vermissten Skifahrer, der vergangene Woche im Stubaital trotz Lawinenwarnstufe 4 in einen hochgradig gefährdeten Hang eingefahren war, nicht sofort zum Sucheinsatz aufgebrochen.
In der Axamer Lizum läuft die Suche nach dem 15-jährigen Skifahrer, der seit Samstag vermisst wird, weiterhin auf Hochtouren. Über 60 Mann durchforsteten bis gestern Nachmittag das Gebiet erneut. Bei einem Hubschrauberflug wurde ein zwei bis drei Tage alter Lawinenabriss entdeckt. Jörg Randl von der Alpinpolizei konnte die Suchmannschaften jedoch nicht sofort in das Gebiet, in das auch Variantenfahrer einfahren, schicken: „In dem Bereich herrschte noch akute Lawinengefahr. Wir mussten erst eine Wächte oberhalb absprengen lassen, um halbwegs gefahrlos vorrücken zu können“, sagte Randl. Eine Restgefahr bleibe jedoch. Der Einsatz dauerte bis in den Abend.
Einen gefährlichen Job erledigen auch die 200 Männer der Tiwag-Montagetrupps. In der Nacht auf Montag kamen rund 30 Mittelspannungsstörungen hinzu, es waren in den Morgenstunden über 10.000 Haushalte ohne Strom. Der 55-jährige Günther Zsedar eilte gestern wieder von einer herabhängenden Leitung zum nächsten kaputten Masten. „Durch den Schnee auf den Bäumen ist es brandgefährlich. Wir müssen vor Ort selbst entscheiden, ob es das Risiko wert ist“, sagt Zsedar, der seit 39 Jahren bei der Tiwag ist.
Solche Wettersituationen habe er schon einige Male erlebt: „Die Störungen sind ja meist im schwierigsten Gelände. Derzeit kann es schon sein, dass ich bis zum Bauchnabel im Tiefschnee stecke“, erzählt er von seinen Ausflügen nach Gnadenwald oder Scharnitz.
Pausenloser Flugbetrieb herrschte Montag über dem Talkessel von Landeck: Sieben Hubschrauber des Bundesheeres, drei Black Hawk, zwei Agusta Bell 212, eine Alouette III sowie eine OH58B-Kiowa hoben mehrmals in der Pontlatz-Kaserne ab, wo die Einsatzzentrale seit Samstag aktiviert ist. „Wir haben den Auftrag, die Lawinenkommissionen in den Tälern zu unterstützen“, schildert Hans Schöpf vom Militärkommando Tirol. Zahlreiche Lawinenkommissionen nutzen die Erkundungsflüge, um über Straßensperren bzw. Lawinenabsprengungen zu entscheiden. Eigentlich habe man damit gerechnet, dass Touristen aus eingeschlossenen Skiorten ausgeflogen werden wollen. „Ein derartiger Auftrag ist bisher nicht eingetroffen“, stellte Einsatzleiter Hansjörg Haberlik am Montag fest. (mw, chris, hwe)







