22.01.2012, 09:34  Aktualisiert: 23.01.2012, 07:08 
Schnee in Tirol

Fast alle Orte erreichbar, ÖBB-Strecken wieder in Betrieb

In Teilen Tirols herrschen kritische Verhältnisse mit großer Lawinengefahr. Die Zugstrecke über den Arlberg sowie jene zwischen Innsbruck und Mittenwald wurden am Sonntagnachmittag wieder freigegeben.
Aufgrund der Lawinengefahr war die Zufahrtsstraße ins Paznaun gesperrt. Einige „gestrandete“ Urlauber mussten ihr Lager im Turnsaal der Volksschule Zams aufschlagen. Schicken Sie uns Ihre Schneebilder an forum@tt.com.
Foto: ZOOM-TIROL

Innsbruck – Früher als erwartet ist am Sonntag um 17.00 Uhr der Bahnverkehr über den Arlberg von den ÖBB wieder aufgenommen worden. Die Strecke war am Samstagnachmittag wegen Lawinengefahr gesperrt worden. Auch auf der Karwendelbahn von Innsbruck nach Mittenwald und München wurde nach den Aufräumarbeiten nach umgestürzten Bäumen wieder der durchgehende Zugverkehr aufgenommen.

Mit der positiven Beurteilung durch die ÖBB-Lawinenkommission und dem abgeschlossenen Einsatz der Schienenschneepflüge konnte der erste Zug ab Bludenz nach Tirol abfahren. In Folge wurden der gesamte Zugverkehr (Personen- und Güterverkehr) über die Gebirgsstrecke wieder aufgenommen. Die Bahnkunden hatten von Samstag auf Sonntag auf ÖBB-Postbusse umsteigen müssen, je nach Straßensituation gab es Verzögerungen von bis zu 30 Minuten. Um wegen gleichzeitiger Straßensperren für die Urlauber die nach Langen und St. Anton am Arlberg mussten eine Anbindung zu schaffen, wurden von den ÖBB fixe Zugshuttleverkehre von der Vorarlberger Seite eingerichtet. So seien über 1000 Kunden von und nach St. Anton gebracht worden, teilten die ÖBB mit.

Noch mehrere Tage gesperrt bleibt wegen der aktuellen Lawinensituation die Außerfernbahn zwischen Reutte und Garmisch. Ein Schienenersatzverkehr ist zwischen Reutte - Ehrwald und Garmisch eingerichtet.

In den Tiroler Tourengebieten herrschen „verbreitet kritische Verhältnisse mit großer Lawinengefahr“. Auf der fünfteiligen Gefahrenskala wird nach Angaben der Experten des Landes der Wert 4 erreicht.

Ischgl und Galtür wieder erreichbar

Viele Orte waren in der Nacht auf Sonntag wegen Lawinensperren abgeschnitten.

St. Christoph und St. Anton am Arlberg sind seit Sonntagvormittag wieder für den Verkehr erreichbar. Auch das Kühtai ist wieder erreichbar. Die Zufahrt nach Ischgl und Galtür ist seit Sonntag früh befahrbar, ebenso die Seefelder Straße.

Aufgrund der Lawinengefahr ist die B176 zwischen Kössen und Staatsgrenze Kössen in beiden Richtungen gesperrt. Die L255 in Gnadenwald ist ab Wiesenhof bis Martinsstube, die Kaiserer Landesstraße zwischen Kienberg und Kaisers sowie die Plansee Landesstraße zwischen Gasthof Wieshof und Alpenhotel Ammerwald nicht befahrbar.

Die Verbindungen Stanzach - Namlos, Elmen - Bschlabs, Pians - St. Jakob, Stanzach und Vorderhornbach sowie Häselgehr - Gramais bleiben ebenfalls gesperrt. Die aktuellen Verkehrsinformationen des ÖAMTC finden Sie hier: http://go.tt.com/yfJr6H

Gleitschneelawinen als Gefahr

Laut Lawinenexperten ging oberhalb von etwa 2000 Metern die Hauptgefahr von frischen und älteren Triebschneeansammlungen aus. Gefahrenstellen lagen in Steilhängen aller Expositionen. Eine Lawinenauslösung sei schon bei geringer Zusatzbelastung möglich, fallweise seien auch „spontane“ Lawinen zu erwarten.

Unterhalb von etwa 2400 Metern sei durch die Durchfeuchtung der Schneedecke auf Selbstauslösungen von Gleitschneelawinen und feuchten Lockerschneelawinen zu achten. Diese könnten auch größere Ausmaße erreichen und dadurch exponierte Verkehrswege gefährden. Unerfahrenen wurde dringend empfohlen, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen.

Am Samstag gab es dem Lawinenwarndienst zufolge mit einer Kaltfront in den Staulagen nochmals 20 bis 40cm Neuschnee, am Nachmittag hörte es aber zu schneien auf. In der Nacht brachte eine Warmfront Regen bis etwa 1500-1800 Meter, wobei die Schneefallgrenze nun weiter nach unten sinkt.

Insgesamt fielen seit Donnerstagabend in den Regionen Nordalpen, Außerfern, Arlberg und Silvretta 80 bis über 100 Zentimeter Neuschnee. In den Stubaier und Ötztaler Alpen, den Tuxer und Zillertaler sowie Kitzbüheler Alpen fielen meist 50 bis 70 Zentimeter.

(deda, tt.com, APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 22.01.2012  09:34
aktualisiert: Mo, 23.01.2012  07:08
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