11.04.2012, 09:56  Aktualisiert: 11.04.2012, 11:59 
Tirol

Komplett zerstört: Wegscheidalm bleibt wegen Lawine geschlossen

Am 1. Mai hätten die Betreiber den Betrieb wieder aufnehmen wollen. Aber nachdem eine Lawine Anfang des Jahres die komplette Schutzhütte mitgerissen hat, bleibt sie 2012 geschlossen.
Von der beliebten Ausflugshütte im Gebiet des Wilden Kaisers ist nicht mehr viel übrig.
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Gefahr von Lawinen und Felsstürzen

Landesgeologe Gunther Heißel weist auf Gefahren von Lawinen und Felsabbrüche in höheren Lagen hin. Ende März bahnte sich eine Lawine aus Geröll und Schnee ihren Weg über zwei Kilometer durch das Alptal westlich der Hohen Munde. Eine Felsplatte war in der Mieminger Kette abgebrochen: „Für die Leute im Tal ist so ein großes Ereignis in dieser Höhe harmlos, für uns Geologen aber umso spektakulärer, fast sensationell“, sagte der Geologe. Ein kleines Kraftwerk wurde dabei 15 Meter hoch verschüttet. Die Felsbrocken hatten die Höhe von Einfamilienhäusern. Der Landesgeologe machte die Schneeschmelze für den größten Felssturz der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich.

Scheffau – Einer gewaltigen Lawine ist die beliebte Wegscheidalm am Fuße des Wilden Kaisers bei Scheffau im Jänner zum Opfer gefallen. Jetzt – mit Eintritt der Schneeschmelze – wird das Ausmaß der Zerstörung erst richtig bekannt. Von der Hütte in 1000 Metern Seehöhe ist nichts mehr übrig geblieben. „Das ist ein Totalschaden“, erzählt Pächter Marcus Sappl im Gespräch mit tt.com.

Wie es jetzt mit dem Betrieb weitergehen soll, hängt in der Schwebe. Die Gemeinde Scheffau will den Wiederaufbau nur dann forcieren, wenn die Versicherung finanziell grünes Licht gibt. „Wir müssen erst die nächste Begehung mit der Versicherung abwarten, bevor wir etwas sagen können“, hält sich Bürgermeister Rupert Soder bedeckt.

Auch über die Schadenshöhe gibt es noch keine genauen Angaben – sowohl Soder als auch Sappl schätzen aber, dass der Schaden rund 350.000 Euro beträgt. Die Schutzhütte war erst 2007 und 2008 etappenweise zu einer Schutzhütte umgebaut worden– damals wurden 200.000 Euro investiert.

Sappl ist seit 2006 Pächter der Hütte – als passionierter Kletterer hat er außerdem immer wieder freiwillig ein Auge auf die Kletterrouten in der Umgebung geworfen. Der Erfolg gab ihm Recht: „An Spitzentagen im Sommer hatten wir bis zu 200 Gäste am Tag. Auch nächtigungsmäßig waren wir in den letzten Jahren immer gut gebucht.“

Auch Soder würde sich wünschen, dass die Hütte wieder aufgebaut werden kann. „Wir waren immer der Überzeugung, dass das eine super Idee ist, die Hütte mit dem Klettergebiet zu verbinden. Wir haben dort investiert, weil wir ja auch ein neues Publikum ansprechen wollten und gerade Klettern ist ein Sport, der nicht so schnell wieder aus der Mode gerät.“

Die nächsten Hütten sind mehrere Stunden von der Wegscheidalm entfernt, zur Gruttenhütte marschiert man rund drei Stunden, zur Kaindlhütte bis zu vier Stunden. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im heurigen Sommer bis auf die Kaindlhütte im Berggebiet keines. Wildes Campieren ist nämlich verboten – der Wilde Kaiser ist ein Naturschutzgebiet. (rena)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 11.04.2012  09:56
aktualisiert: Mi, 11.04.2012  11:59
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