13.04.2012, 09:29  Aktualisiert: 13.04.2012, 22:28 
Hubert von Goisern

Kuhglocken schmiegen sich an E-Gitarre

Hubert von Goisern gab am Donnerstag in der Olympiahalle mit seinem Akkordeon richtig Gas. Aber auch die leisen Töne klangen nach.
Hubert von Goisern in der Olympiahalle.
Foto: TT / Julia Hammerle

Von Alexandra Plank

Innsbruck– Der Mann ist nicht zu fassen und das in mehrfacher Hinsicht. Die Musik von Hubert von Goisern lässt sich genauso wenig in eine bestimmte Schublade stecken wie er selbst. Bringt der Oberösterreicher nun Weltmusik, neue Volksmusik oder Alpenrock zu Gehör? Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass Hubert von Goisern am Donnerstag mit seinem Sound, einer Verbindung von traditioneller Volksmusik mit modernen Elementen, die Konzertbesucher fest im Griff hatte. Mit einem langen musikalischen Intro eröffnet er den Abend, das Stück entpuppt sich als oberösterreichische Landeshymne. „Durih‘s Tal bin i glaffn, Afn Hechl bin ih glegn, Und dein Sunn hat mi trückert, Wann mih gnetzt hat dein Regn“, singt Hubert von Goisern. Er präsentiert sich an diesem Abend zugleich heimatverbunden und weltoffen. Seine Tourneen und musikalischen Reisen führten ihn quer durch Europa, die USA, in den arabischen Raum, nach Tibet und wiederholte Male nach Afrika. Chauvinismus ist seine Sache nicht. „Es gibt kein Volk, das nur lässig ist“, erklärt er. Buhrufe und Pfiffe kontert er lachend: „Das ist lustig, diese Auflehnung gibt es nur in Bayern und Tirol. Nirgendwo sonst haben die Leute das Gefühl, sie seien perfekt.“ Die Leute, das sind alle Altersstufen, von den Jugendlichen bis hin zu den Senioren, Letztere wappnen sich mit Ohrenstöpseln gegen die Lautstärke.

Mit launigen Erzählungen leitet Hubert von Goisern seine Lieder ein. Zu Beginn gibt es Kostproben aus seinem neuen Album „Entweder­undOder“, das mit Gold und Platin ausgezeichnet wurde. Ins Rennen um den Amadeus Award, den österreichischen Musikpreis, geht Hubert von Goisern gleich mit drei Nominierungen. Was seinen derzeitigen Superhit über die Bankenkrise betrifft, lässt er das Publikum aber bis zum Schluss schmoren. „Brenna tuats guat“ war fünf Wochen lang auf Platz 1 in den österreichischen Charts zu finden. Doch man vermisst den Gassenhauer keine Sekunde.

Hubert von Goisern, das ist Musikalität pur. Er beherrscht nicht nur sein Leibinstrument das Akkordeon, sondern liefert auch ein Zwischenspiel mit Kuhglocken, spielt virtuos Gitarre und Maultrommel und greift sogar zur Klarinette. Ein Instrument, das er erst spät für sich entdeckt hat, wie er erzählt. In seiner Heimatgemeinde Goisern gebe es 7000 Einwohner und sieben Musikkapellen. Da sei es nicht weiter schlimm gewesen, dass er aus einer hinausflog, weil er frech war. Eine andere nahm ihn auf und wollte ihn zum Klarinettenspielen überreden, was ihm aber nicht taugte. Eine Wiedergutmachung nennt er das darauffolgende Lied. Der Musiker, mit einer hervorragenden Band, wechselt zwischen rockigem, erdigen Sound und feinfühligen, poetischen Liedern. Das Publikum geht mit, bis auf einen Hinterbänkler, der schreit: „Hubert, gib Gas!“ Dabei sind es gerade die ruhigen Nummern, die die Zuhörer in ihren Bann ziehen. War das Publikum zu Beginn eher abwartend, lässt es sich von „Weit, weit weg“ tragen, vielstimmig ertönt der Refrain und die Feuerzeuge – ja, es gibt noch Menschen, die sich die Finger verbrennen – flammen auf.

Dann brodelt es in der Olympiahalle, als „Brenna tuats guat“ instrumental eingeleitet wird. Dem Publikum gefällt‘s, es will gar nicht mehr heimgehen und fordert drei Zugaben ein. Mit „Heast as net“ sowie einem vierstimmigen Jodler verabschiedet sich der Oberösterreicher dann mit einem „Danke für den schönen Abend“. Das kann man nur zurückgeben.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 13.04.2012  09:29
aktualisiert: Fr, 13.04.2012  22:28
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