Ein australischer Cop in Tirol
Von Miriam Hotter
Innsbruck – Wir treffen uns bei der Sicherheitsakademie (SIAK) in Gnadenwald, wo Martin Plotz gerade die Ausbildung zum österreichischen Polizeibeamten macht. In der dunkelblauen Uniform und dem Barett (flache Kopfbedeckung) sieht der 34-Jährige aber schon wie ein „echter“ Polizist aus: Sportlich, adrett und beinahe makellos – wäre da nicht die Narbe an seinem Kinn. „Die habe ich mir bei einem Schlägerei-Einsatz in Australien geholt. Mit fünf Stichen musste die Wunde genäht werden“, erzählt der gebürtige Linzer. Blessuren und offene Wunden gehörten sechs Jahre lang zum australischen Polizeialltag von Plotz.
„Ich bin mit 18 Jahren nach Perth gegangen, um Film- und Medienwissenschaften zu studieren“, nennt er den Grund für seine Auswanderung nach Westaustralien. Vier Jahre später hatte er zwar seinen Abschluss, doch die Arbeit in der Filmbranche war rar. „Zu dieser Zeit suchte man viele Polizisten, deshalb entschloss ich mich zu einer Ausbildung“, so Plotz. Nach nur sechs Monaten „oberflächlicher“ Schulung wurde er in den Dienst entsandt.
„Besonders schlimm war die Gewaltbereitschaft unter der Bevölkerung und gegen die Polizei“, erinnert er sich. Deshalb gehörten Schlagknüppel und Elektroschockpistolen zur Standardausrüstung der Constables – so heißen die Polizisten in Down Under. Aber auch Alkohol und Drogen zählten zu den großen Problemen der Stadt. Ganz besonders bei den Aborigines. „Sie leben sozial isoliert, sind arbeits- oder obdachlos und haben keine Aussicht auf eine bessere Zukunft. Viele von ihnen greifen deshalb zu Drogen. Schon Kinder im Alter von sieben Jahren schnüffeln Kleber oder Benzin“, weiß Plotz.
Um das Drogenproblem in den Griff zu bekommen und potenzielle Dealer ausfindig zu machen, ermittelte er auch undercover. „Ich war als Drogensüchtiger verkleidet“, erzählt er. Allerdings war sein Team in der Nähe postiert und wartete auf seinen Einsatz. „Was mir da alles passiert ist. In nur einer Nacht versuchte eine Sekte, mich zum Beitritt zu überreden, zwei Leute haben mich zu sich nach Hause eingeladen und eine Nonne hat mir Kaffee und Suppe gebracht“, erzählt Plotz lachend, der nun mit Freundin und Kind in Osttirol lebt. Die Tarnung sei aber aufgeflogen, weil ein Obdachloser die lauernden Kollegen entdeckt habe.
Zum Lachen war dem heutigen Familienvater aber nicht immer zumute. „Ich habe viele Todesopfer gesehen, darunter auch Kinder“, sagt Plotz. Ebenso schwer zu verkraften waren die vielen Straftäter, die immer wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. „Die Justiz in Australien ist – um es gelinde auszudrücken – sehr liberal“, meint er. Trotzdem habe er den Job gerne gemacht. Er ist nämlich nicht des Berufes wegen nach Osttirol gezogen – sondern aus Liebe. Während eines Besuchs bei seinen Eltern, die in Lienz leben, lernte er seine heutige Freundin kennen. Die beiden haben einen neun Monate alten Sohn.
Plotz will auch hierzulande als Polizist arbeiten. Dafür muss er nun allerdings eine zweijährige Ausbildung an der SIAK absolvieren. „In Tirol wird man für das Berufsleben besser vorbereitet“, kann er einen Vergleich ziehen.
Sein zukünftiger Arbeitsplatz dürfte allerdings eine große Umstellung für den 34-Jährigen bedeuten: Tirol ist mit einer Bevölkerung von 710.000 – einwohnermäßig – wesentlich kleiner als die Millionenstadt Perth (1,6 Mio.). Warum Plotz sich erneut zum Polizisten ausbilden lässt, hat mit seiner Einstellung zu tun. „Ich möchte die Welt ein Stück besser machen – auch wenn es nur ein kleines Stück ist.“






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