09.06.2012
Bühne

Die Piefkes und das Almfieber

Die Fotografin Maren Krings zog es auf eine Alm in Kirchberg. Im Interview erzählt sie von den harten Almsommern, den deutschen Landsleuten, den „Oiwingern“ und ihrer Fotoreise durch die Tiroler Almen.

Von Harald Angerer

Westendorf – Sie geht „gen Oim“, stand für die aus Deutschland stammende, in Westendorf lebende Fotografin Maren Krings 2009 fest und sie zog für dreieinhalb Monate auf die Unterschnappalm in Kirchberg. 2010 machte sie das Ganze nochmal. Mit einer Fotoausstellung und einem Bildband legte die 32-Jährige nun eine Liebeserklärung an die Almen Tirols ab.

Wie kommt man von Thüringen in Deutschland auf die Alm nach Kirchberg?

Krings: Ich bin auf die Alm gegangen, um eine Auszeit zu haben. Für mich war das nicht fremd. Mein Opa hatte in Westendorf in den 1950er-Jahren eine Hütte gebaut und als Kinder waren wir oft dort. Das hat mich damals schon sehr geprägt. Die Alm war für mich das Ultimo für Freiheit und Leben. Über Bekanntschaften bin ich dann auf die Unterschnappalm in Kirchberg gekommen.

Man hat davor sicher romantische Vorstellungen von der Alm, wie war es dann wirklich?

Krings: Du stehst am Anfang völlig neben dir. Besonders herausfordernd war der rigorose Alltag, um 5 Uhr aufstehen, um 6 Uhr Kühe melken, danach Milch liefern, Zäune reparieren, Herd einheizen, irgendwie kochen. Es wird im Grunde genommen alles klar vorgegeben. Es läuft zwar nie genau gleich ab, da Tiere eine eigene Vorstellung von ihrem Tagesablauf haben, aber die Struktur ist vorgegeben. Und man ist ständig müde, sobald ich mal wo gesessen bin, bin ich eingeschlafen.

Wie war der erste Kontakt mit den Nachbarn oder mit Wanderern?

Krings: Da gibt‘s verschiedene Anekdoten, die echt an die Piefke-Saga erinnern. Einmal habe ich einen Mittagsschlaf gehalten und plötzlich stand eine deutsche Familie mitten in der Alm mit den Worten „Ach kuckt mal, wie nett.“ Ich hab‘ sie gefragt, ob sie in Frankfurt auch einfach in eine Wohnung reinmarschieren würden. Ich glaube, für sie war es das Schlimmste, dass sie von einer Deutschen auf der Alm gemaßregelt wurden. Die Oiwinger hingegen haben mich mit Respekt aufgenommen und als ihresgleichen akzeptiert. Das Thema Frau war nie ein Ding.

War es schwierig, auf den Almen zu fotografieren und wie fiel die Entscheidung für das Fotobuch?

Krings: Am Anfang musste ich mich etwas rantasten. Aber es gab keinen, der mir das verwehrt hätte. Auch war ich mir bei den Ausstellungen am Anfang nicht sicher, ob die Leute das auch interessiert. Die Alm ist hier ja eigentlich allgegenwärtig. Aber die Ausstellungen waren gut besucht. Ich hatte dabei auch ein Buch mit weiteren Bildern aufgelegt, da war dann plötzlich eine große Nachfrage nach dem Buch. Ich hab‘ mich dann entschlossen, das Buch selbst zu verlegen, da ich keinen Verlag gefunden hatte.

Aber da kommt nicht nur die Alm in Kirchberg vor?

Krings: Ja, genau. Ich war für die Tirol Werbung dann in ganz Tirol auf den Almen unterwegs. Auch davon sind Bilder im Buch.

Ist das Thema Alm jetzt erledigt?

Krings: Nein, um die Zeit packt mich schon wieder das Almfieber.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 09.06.2012
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