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Starkregen in Tirol

Wettersituation entspannt sich nach ungewöhnlich starken Regenfällen

Nach zahlreichen Murenabgängen und Überschwemmungen am Samstag im Unterland entspannt sich die Wettersituation in Tirol ab Sonntag wieder. Selbst Wetterexperten haben derart heftige Regenfälle zu dieser Jahreszeit überrascht.

Von Magdalena Ennemoser

Innsbruck – Die für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Regenfälle haben am Sonntag in den frühen Morgenstunden einen massiven Felssturz im Zillertal ausgelöst. Geröllmassen vermurten dabei die Zillertaler Dörferstraße (L300) im Bereich Zellberg. Wie die Polizei Ried berichtet, wird ein Landesgeologe den betroffenen Hang begutachten und über eventuelle Maßnahmen entscheiden. Die Straße ist auf unbestimmte Zeit nicht passierbar.

Die Wettersituation in Tirol hat sich unterdessen entspannt. Wie Michael Winkler von der Tiroler Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber TT.com berichtet, sind die Niederschläge gegen Ende der Nacht im ganzen Land deutlich abgeklungen.

Kössen: 90 Liter/Quadratmeter in 20 Stunden

Derartige Mengen an Niederschlag, die im Sommer nicht ungewöhnlich sind, kamen Anfang Jänner selbst für die Wetterexperten überraschend: „Für die Jahreszeit hat es in den vergangenen Tagen ausgesprochen viel geregnet, vor allem im Unterland“, erklärt Winkler. Spitzenreiter sei dabei Kössen gewesen: „Von Donnerstagabend bis Sonntagfrüh fielen in Kössen 130 Liter Regen pro Quadratmeter.“ Allein im Zeitraum von Freitagnachmittag bis Samstagmittag – also innerhalb von knapp 20 Stunden – habe es dort 90 Liter pro Quadratmeter geregnet.

Auch in Kufstein seien in den vergangenen Tagen 100 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Hochfilzen und Kitzbühel seien es 80 bis 90 Liter gewesen. In der Nacht auf Sonntag habe es noch vor allem in Seefeld und Ehrwald geregnet. „Seit heute früh nieselt es meist nur noch“, so Winkler.

Schneefallgrenze höher als prognostiziert

Die Schneefallgrenze sei am Wochenende mit 1500 Metern höher gelegen als von der ZAMG prognostiziert, räumt Winkler ein. „Da der Boden durch den vielen Regen gesättigt war, kam es zu zahlreichen Vermurungen.“ Bei Schneefall wäre die Lage weit weniger dramatisch gewesen. Dass es in tieferen Lagen geregnet, und nicht wie vorhergesagt geschneit hat, war dafür laut Winkler „Glück f?r Innsbruck. Denn massiver Schneefall hätte etwa den Flugverkehr stark behindert“.

Hätte es tatsächlich geschneit statt geregnet, wäre Tirol aber „nicht im Chaos versunken“, so die Antwort des Experten auf eine häufig gestellte Frage. „Wäre der Niederschlag als Schnee gefallen, wäre es wegen der niedrigeren Temperaturen deutlich weniger gewesen“. Zur Veranschaulichung präsentiert Winkler die Schneefall-„Spitzenreiter“, die Zillertaler- und Kitzbüheler Alpen: Dort fielen am Wochenende jeweils nur etwa 40 bis 50 Zentimeter Neuschnee. „Es gibt zwar in ganz Tirol Ausreißer, wo bis zu 90 Zentimeter Neuschnee gefallen sind. Diese lokalen Phänomene sind jedoch auf den starken Wind zurückzuführen“, so Winkler. Die Nordkette mit 60 Zentimetern Neuschnee etwa sei für Schneewehungen bekannt.

Die Sonne lässt sich wieder öfter blicken

Für die nächsten Tage prognostiziert die ZAMG eine „deutliche Entspannung“ der Wettersituation. Vor allem in den Bergen soll sich die Sonne wieder vermehrt blicken lassen, die Temperaturen bleiben bis Mitte der Woche mild.

Der Montag beginnt am Alpennordrand und im östlichen Unterland bis in die Tauern Osttirols mit leichten Niederschlägen, die Schneefallgrenze liegt bei etwa 1000 Metern. Am Vormittag setzt sich vom Oberland her nach und nach die Sonne durch. In Süd- und Osttirol soll es laut ZAMG den ganzen Tag „recht sonnig“ bleiben. Am Dienstag überwiegt zunächst der freundliche, halbwegs sonnige Eindruck. Ab dem Nachmittag wird es von Norden kommend zunehmend unbeständig. Am Mittwoch geben sich Wolken und Sonne die Klinke in die Hand.

Am Donnerstag kehrt dann langsamen Schrittes der Winter zurück nach Tirol: Es wird wieder unbeständiger und kühlt ab. Neuschnee ist vorerst jedoch wenig zu erwarten.