Tausende begeisterte Zuschauer beim Muller- und Schellerlaufen
Von Nikolaus Paumgartten und Renate Schnegg
Thaur, Nassereith - Thaur – Es ist ein kräftiges „Klippklapp, Klippklapp“, das erst langsam, dann immer schneller und lauter durch die engen Gassen von Thaur schallt. Der Müller der „Thaurer Weibermühl‘“ lässt das Mühlrad rattern und verwandelt in seinem Wagen, der sich den Weg durch die Menschenmassen bahnt, alte Damen in junge Frauen. Das Publikum quittiert das Schauspiel mit Gejohle und Applaus.
Wenige Meter weiter drängt sich eine Mullerfigur durch die dichten Reihen der Zuschauer. Der Zaggler, so heißt die Gestalt in blauem Kostüm mit bunten aufgenähten Wollbällchen, steigt auf einen jungen Mann zu, zieht dessen Jacke die Schultern herunter, deutet einen Schlag erst an und lässt dann seine Hand heruntersausen. Das so genannte „Abmullen“ soll Fruchtbarkeit und Glück bringen und ist fester Bestandteil der Mullervorführung. Für das „Opfer“ gibt es noch einen Schluck Schnaps, dann springt der Zaggeler zurück zu seiner Gruppe.
Das Thaurer Mullerlaufen, das nach vierjähriger Pause wieder stattfindet, hat inzwischen seinen Höhepunkt erreicht. Rund 800 Aktive beteiligen sich an dem Spektakel, haben in wochenlanger Vorbereitung Wägen geschmückt und Choreografien einstudiert. Ein Aufwand, der sich auszahlt. Denn dass die Veranstaltung Anklang findet, zeigen die Reaktionen der Tausenden Besucher entlang des Rundkurses.
„Klippklapp“ tönt es erneut. Diesmal kommt der Klang von einem Wagen, der unter dem Motto „Thaurer Stierkampf“ für Begeisterung sorgt. Als spanische Damen verkleidete Männer lassen die Kastagnetten klappern, während sich ein Torero dem Stier todesmutig in den Weg stellt, ihn besiegt und sich schließlich vom Publikum feiern lässt.
Grund zum Feiern haben letztendlich auch die Thaurer Schützen, die traditionell das Mullerlaufen organisieren. Schützenhauptmann Josef Posch zieht am Ende der Veranstaltung jedenfalls eine durchwegs positive Bilanz. Der Thaurer Mullerumzug ist ohne gröbere Zwischenfälle verlaufen.
In Nassereith hat der Winter nichts zu melden
Schlag Mitternacht – sobald der Fasnachtstag anbricht – rumort es in der Fernpassgemeinde. Mit Topfdeckeln, Kübeln, alten Pfannen und sonstigen Gerätschaften wird bis 3 Uhr Früh rhythmischer Lärm gemacht: Das nächtliche Umschlagen ist die einzige Gelegenheit, bei der Frauen mitmachen dürfen.
Nach der Messe um 7 Uhr und dem nächsten Umschlagen, bei dem Prinz Karneval begrüßt wird, sind die Fasnachter am Weg vom Maienbrunnen zum Postplatz – der Aufzug beginnt. Und während sich die Fasnachter am Tag der Tage auf ihren traditionsreichen Weg machen, schüttelt Frau Holle ungerührt die Betten aus.
Am Postplatz wartet die Menschenmenge, dass es endlich Mittag wird und das Spektakel beginnt. Nacheinander ziehen die Gruppen ein, der „Schiane Zug“ mit Kehrer, Roller und Scheller, Spritzer, Sackner und Kübelemajen, Ruaßler, Schnöller und Paarle bildet einen großen Kreis und es wird still am Postplatz – alles wartet auf den Bär, der vom Bärentreiber an der Kette aufs Schneepodest gezerrt wird. „Urio, Bärio“ tönt es unter der furchteinflößenden Holzlarve des Bärentreibers hervor. Widerwillig macht der Bär „Purzigagele“, bis es ihm zu bunt wird und er den Bärentreiber niederreißt: Der Frühling hat gesiegt, in den „Schiane Zug“ kommt Bewegung. „So eine Farbenpracht hab‘ ich noch nie gesehen“, flüstert ein deutscher Urlauber seiner Begleiterin beeindruckt ins Ohr.
Und wieder wenden sich alle Augen hin zum Schneepodest, das jetzt von den Hexen erobert wird: sie müssen ihrer „Hexemuater“ ewige Treue schwören und quittieren das mit lautem Gejohle und schwingenden Röcken.
Jetzt endlich setzt sich der Zug Richtung Maienbrunnen in Bewegung, wehen die bunten Seidenbänder im Wind, juchzen die Sackner, fahren die Festwägen vor, sorgen verschiedene Gruppen und Einzelmasken für Unterhaltung. Und wieder kämpft der Bär mit dem Bärentreiber, und wieder besiegt er ihn.
Retour am Postplatz wird nochmals ein Kreis aufgeführt, bevor das Einführen beginnt: Der Kehrer verneigt sich vor dem Geehrten, welcher sich beim Scheller einhängt und mit der ganzen Gruppe zur „Kasse“ geführt wird, um dort einen Obolus zu entrichten.
(TT)
aktualisiert: Di, 05.02.2013 14:10






