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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 10.02.2013

Fasnacht- und Fasching

Zwischen Fasnacht und Fasching

Die Faschingszeit hatte am Sonntag zwei Seiten: Während in den Oberländer Gemeinden Fiss und Wenns die letzten Fasnachtsumzüge Anklang fanden, trieben es im Unterland und in Osttirol die Faschingsnarren bunt.

Innsbruck – Rosenmontag und der morgige Faschingsdienstag noch – dann ist Schluss mit lustig im heurigen Jahr: Und so ließen es sich viele nicht nehmen und trafen sich mal mehr, mal weniger verkleidet landauf, landab zum geselligen Fasnachts- und Faschingsbeisammensein. Ein Überblick:

Fiss: Der Wettergott meinte es gestern besonders gut mit den Fisser Akteuren des Blochziehens. Wolkenloser Himmel, Sonnenschein pur, winterliche Temperaturen und eine Stimmung, die besser nicht hätte sein können.

So erlebten die vielen Zuseher eine weitere Auflage des originellsten und ursprünglichsten Fasnachtsbrauches im gesamten Alpenraum. Alternierend mit dem alle vier Jahre stattfindenden Blochziehen der Erwachsenen sind die jungen Fisser – ausnahmslos Burschen im Alter zwischen sechs und 16 Jahren – die Hauptdarsteller dieses Brauches, der im Jahr 2011 zum nationalen „Immateriellen Kulturerbe der Unesco“ erhoben wurde.

Der ursprüngliche Sinn des Blochziehens liegt nämlich darin, im anbrechenden Frühling die wohlwollenden Götter der Sonne und der Fruchtbarkeit gegen die bösen Dämonen – verkörpert durch Miasmann, Bär und Tuifl – zu stärken. So wurde nach altem Ritual der Bloch – ein Zirbenbaum – von den Akteuren durch die engen Gassen gezogen, begleitet von Hexen, Mohrelen, Bajatzl, Giggeler und Schallnern. Die Hexe auf dem Baum verfolgte das Einfangen von Bär und Miasmann, die schließlich vor den Bloch gespannt wurden. Und am Fonnes, dem Platz vor der Gemeinde, erfolgte das Finale mit der Versteigerung des Blochs.

Wenns: minus 14 Grad noch bei der Fasnachtsmesse in aller Früh, der Aufzug ab 10 Uhr fand aber schon in den leicht wärmenden Sonnenstrahlen auf der Sonnenseite des Pitztales statt. Einige tausend Zuschauer drängten sich entlang der Straßen, deren Mitte ab dem Mittagläuten den Rollern und Schellern gehörte, deren Gangl beinahe schon ein Aufwärmtraining war. Nach vier Jahren wurde auch wieder das Wenner Fasnachtslied eifrig mitgesungen.

Wildschönau: Das Motto des Faschingsumzugs in der Wildschönau lautete „Niederau wie es feiert und lacht!“. Den Sieg bei der Gruppenprämierung holte sich in diesem Jahr wieder die Wildschönauer Heimatbühne (Weißwurstparty beim Stanglwirt) vor Landjugend (Wahlkampf von Michelle und Barack Obama) und der Bücherei Niederau, die mit ihren „Spastelruther Katzen“ die Playback-Volksmusikstars nachahmten.

Niederndorf: Nach zwei Jahren Pause gehörten die Niederndorfer Straßen am Samstag wieder ganz den Faschingsnarren. Tausende zum Großteil maskierte Zuschauer waren begeistert von den Darbietungen der insgesamt 24 Gruppen. Angeführt vom traditionellen Kasperlwagen und dem Prinzenpaar Silvia und Andreas, gefolgt von den lebenden Bildern, Wassermann und den Buntstiften, wurde mit der Dopingtour, einem EU-Rettungsschirm, dem Jodelautomaten, einer Persiflage auf die Musikgruppe Stomp und dem Winter-Ballettspielhaus nationales wie internationales Geschehen aufs Korn genommen.

Reith i. A.: Der Reither Ortsteil St. Gertraudi mit seinen knapp 70 Haushalten ist zwar geografisch klein, in Sachen Fasching hat es im Gegensatz zu großen Orten in St. Gertraudi aber noch nie eine Pause gegeben. Und die „Gairer Faschingsgilde“ war auch heuer wieder aktiv. Am Faschingssamstag zogen mit dem Faschingsgruß „Dachtei-Dachtei“ die Wägen zum Feuerwehrhaus. Auch hier waren die „Spastelruther Katzen“ einmal „leif & steif“ zu sehen.

Innsbruck: Etwas ganz Besonderes hatten sich die Igler beim traditionellen Faschingsumzug gestern einfallen lassen: nämlich einen „Weltrekordversuch“ – nämlich in Anlehnung an Felix Baumgartners Stratosphärensprung den kleinsten je gemessenen freien Fall.

Virgen: Warum sind in letzter Zeit immer mehr Pensionsten im Internet verschollen? Sie haben versehentlich auf „Alt“ und „Entfernen“ gedrückt. Mit diesem und anderen Scherzen nahmen die Virger beim Faschingsumzug die kürzlich eröffnete Computeria für Senioren aufs Korn. Ein Umzug, zum Schmunzeln, wie so viele es in Tirol gestern taten.

Leider ging der Faschingsumzug aber nicht ganz reibungslos über die Bühne. Ein 19- und ein 23-Jähriger fielen von einem Faschingswagen auf die Straße. Die beiden Männer standen auf dem Geländer des Anhängers. Sie verletzten sich unbestimmten Grades und wurden mit der Rettung in das Bezirkskrankenhaus Lienz eingeliefert. (TT)