09.04.2018, 09:53 

Wieso Weshalb Warum

Waldrapp fliegt in die falsche Richtung

Der Vogel hat scheinbar keine Lust auf den Norden.
Ein Waldrapp macht es nicht, wie üblich: Statt nach Norden fliegt er im Sommer in den Süden.
Foto: FOTOGRAFEN

Ein Waldrapp vom Norden hat offenbar die sprichwörtliche Schnauze voll: Der Zugvogel flog nun schon zum dritten Mal von der Toskana in den Süden statt wie vorgesehen in den Norden, um dort den Sommer zu verbringen. Das Tier ist Teil der Population, die im Rahmen eines ursprünglich im Grünau im Almtal in Oberösterreich gestarteten Auswilderungsprojekts zweimal im Jahr die Alpen überqueren.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Projekt bekannt, weil die menschlichen Zieheltern die Jungvögel per Ultraleichtflugzeug an ihr Ziel lotsten. Zu Beginn des Waldrappzugs Anfang der 2000er-Jahre erwiesen sich einige Tiere als äußerst flugfaul und wurden streckenweise im Auto befördert. Inzwischen fliegen die erwachsene Tiere selbstständig in das Winterquartier an einem WWF-Stützpunkt in der Maremma.

Der Waldrapp, der 2016 erstmals von dort Richtung Süden aufbrach, wurde zunächst noch eingefangen und ins Winterquartier zurückgebracht, weil befürchtet wurde, dass er Wilderern zum Opfer fallen könnte. Nun ist der mit einem GPS-Tracker ausgestattete Vogel das dritte Jahr in Folge am Gargano in der Region Apulien eingetroffen, wie lokale Zeitungen berichteten und scherzten, er habe sich wohl in die Gegend verliebt. Das Auftauchen eines zweiten Waldrapps namens „Bianca“ nährt den Angaben zufolge die Hoffnung, dass sich die Region als weiterer Lebensraum für die Brutvögel eigne. Waldrappe waren bis zu dem Wiederansiedlungsprojekt in Europa ausgestorben. (APA)

Toni Times