10.04.2018, 10:01  Aktualisiert: 10.04.2018, 14:10 

Wieso Weshalb Warum

Kinder lernen, wie ein Roboter funktioniert

Am Freitag ist lange Nacht der Forschung. Schüler zeigen dort ihren selbstgebastelten Roboter.
Die Kinder basteln mit vollem Einsatz an ihrem Roboter.
Foto: rossini

Wenn im Jahr 1988 ein Computer-Bildschirm schwarz blieb, gab es meist nur eine Möglichkeit: Gehäuse aufschrauben, Kabel und Steckverbindungen untersuchen, Grafikkarten ausbauen, neue kaufen und wieder einbauen. Im Jahr 2018: verzweifelt über das Smartphone-Display wischen, fester drücken, schnell aufgeben, ab in den Müll und ein neues Gerät kaufen. Der Zugang zur Technik hat sich in den vergangenen 30 Jahren verändert. Am besten zu sehen bei Kindern, die schon im Kindergarten-Alter wissen, wie man Apps lädt. Dabei droht aber, dass sie das Basteln und Tüfteln verlernen.

„Viele wissen heute sehr schnell, wie sie etwas verwenden müssen, aber nicht, was dahintersteckt. Das Verständnis für Technik ist verlorengegangen“, sagt Philipp Zech vom Institut für Informatik der Universität Innsbruck. Um Kinder für Technik und in weiterer Folge für technische Berufe zu begeistern, hat er zusammen mit Kollegen von der Jungen Uni und vom Spielraum FabLab „Rossini“ zum Leben erweckt. Hinter der Wortschöpfung (Robot kids design thinking) verbirgt sich ein Workshop, bei dem 7- bis 14-Jährige einen Mini-Roboter basteln. Vorgestellt werden einige der bereits gebauten Modelle am Freitag bei der Langen Nacht der Forschung.

Bei den ersten Workshops vor wenigen Wochen lernten die Kinder innerhalb von drei Tagen die möglichen Funktionen des Roboters kennen und wie man ihn programmiert. Es musste ein Design überlegt werden und schließlich wurde der Roboter zusammengebaut. Das Herzstück der Roboter ist ein Mikrocomputer, der um die 20 Euro kostet. Über eine eigene Plattform können die Kinder dem Einplatinencomputer Dinge beibringen, und das ist vom Grundprinzip her einfacher, als man glaubt. „Roboter sind keine Raketenwissenschaft“, sagt Zech. Wer sich für die Technik interessiert, der läuft einerseits nicht Gefahr, alltägliche Dinge wie Smartphones oder Staubsaugerroboter zu verwenden, aber nicht zu verstehen. Andererseits verschläft er nicht die Entwicklungen und die neuen Jobs, die schon jetzt in der vernetzten „Industrie 4.0“ geschaffen werden. Man spreche immer vom Fachkräftemangel, „aber bei den Kindern sollte man jetzt ansetzen und sie auf die Zukunft vorbereiten“.

Der zündende Moment für den Workshop war der RoboCupJunior vor zwei Jahren in Innsbruck. „Aus Tirol nahm leider nur ein Team teil“, erinnert sich Zechs Kollegin Cornelia Vidovic. Gemeinsam überlegten sie, wie man mehr Kinder auf die Zukunft vorbereiten könnte: Kreativität und technisches Verständnis lernen, indem man Hand selbst anlege. Deswegen löten die Kinder beim Workshop, dürfen Fehler machen, sehen, wie ein Lasercutter ihre Designs Schritt für Schritt aus Abfall entstehen lässt. Weil die Generation Smartphone in der Wegwerf-Gesellschaft groß wird, setzen die Forscher auch auf nachhaltiges Arbeiten. Es wird zum Beispiel recyceltes Holz verwendet.

Wenn der Roboter fertig gebaut ist, fährt er am Boden herum wie ein Spielzeug, aber er hat viel mehr erreicht: den Kindern gezeigt, wie Mikrocomputer, die in jedem Smartphone stecken, funktionieren. Und dass es immer Menschen braucht, um solche Computer zu programmieren. (chris)

Toni Times