27.06.2018, 09:53  Aktualisiert: 27.06.2018, 10:12 

Wieso Weshalb Warum

Schulung für den Tiernotfall im Hotel

Die Mitarbeiter von Hotels werden immer öfter von Tierärzten geschult. Denn viele Urlauber verreisen inzwischen mit ihrem Hund.
Beim Toben können sich Hunde schnell verletzen - im Hotel gibt es für die Gäste und den Vierbeiner dann geschulte Hilfe.
Foto: BANG

Max ist ein Vollprofi. Ohne zu zappeln lässt er die Untersuchung über sich ergehen. Schleimhäute, Atmung, Puls - Tierärztin Anja Scheufele demonstriert an ihrem zwei Jahre alten Jagdhund, wie sich ein gesundheitlicher Notfall beim besten Freund des Menschen erkennen lässt. Ihr Publikum sind keine Hundehalter, sondern Mitarbeiter eines Hotels am Münchner Hauptbahnhof. Sie sollen lernen, was zu tun ist, wenn die tierischen Begleiter ihrer Gäste Hilfe brauchen.

Zum Beispiel, weil sie sich beim Spaziergang Splitter in der Pfote eingefangen haben. Oder weil sie plötzlich erbrechen müssen. „Das kann auch auf eine Vergiftung hindeuten“, erläutert Lorenz Schmid, Chefarzt der Tierärztlichen Klinik Oberhaching, der den Erste-Hilfe-Kurs mitorganisiert hat. In solchen Fällen komme es darauf an, dass die Hotelmitarbeiter den Notfall erkennen und schnell reagieren. Anja Scheufele zeigt etwa, wie eine Hundepfote richtig verbunden und das Tier währenddessen ruhig gehalten wird.

10 von 240 Mitarbeitern des Hotels nehmen an der Premiere des Erste-Hilfe-Kurses teil. Je nachdem, wie er angenommen wird, soll es weitere Termine geben. „Wir haben viele Gäste, die mit Hunden anreisen“, berichtet Manager Johannes Mayr. Da reiche es nicht, Betten, Decken und Fressnäpfe für die Vierbeiner bereitzustellen. Man wolle die Angestellten auch auf ernste Situationen vorbereiten.

Dass der Bedarf nach solchen Angeboten wächst, liegt nach Einschätzung von Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) auch daran, dass sich die Einstellung in der Gesellschaft zum Hund deutlich gewandelt hat. „Der Halter will mit seinen Tieren mehr machen“, sagt der 63-Jährige. „Als ich Kind war, ist keiner darauf gekommen, seinen Hund überall hin mitzunehmen. Das ist heute völlig anders - er muss ins Restaurant, er muss mit ins Hotel.“ Darauf reagiere die Reisebranche. „Ich kenne Hotels, die bieten sogar Wellness für Hunde an“, berichtet Kopernik.

Dass ein Hund unberechenbar sein kann, lehrt Tierärztin Anja Scheufele auch ihren Schülern in München. Deshalb soll am Anfang jeder Begegnung eine vorsichtige Kontaktaufnahme stehen: den Hund ansprechen, ihm in die Augen schauen, prüfen, wie das Tier reagiert. Erst dann sollte Hand angelegt werden. Nicole Brühl, Präsidentin des Tierschutzbunds Bayern, begrüßt es, „dass die Vierbeiner, die mitgebracht werden, genauso versorgt werden“ wie Menschen. „Im Ernstfall ist Hilfe besser als keine Hilfe.“ Dann aber sollte so schnell wie möglich der Tierarzt gerufen werden. (dpa)

Toni Times