14.11.2011, 14:50  Aktualisiert: 08.08.2014, 02:01 

Schule

Schreckgespenst Mathematik

Es gilt als das Angstfach schlechthin. Dass Mathematik aber auch Spaß machen kann, soll das Projekt „Mathe – Cool!“ vermitteln. 20 Schulen aus ganz Tirol machen mit.
Mit Denksportaufgaben werden Schüler spielerisch an die Mathematik herangeführt.
Foto: TT / Thomas Böhm
Special

Was sich ändern muss, damit Mathematik in der Schule vom Angst- zum Spaßfach wird, erklärt Rudolf Taschner in der morgigen Ausgabe der Tiroler Tageszeitung.

Der Wiener Mathematiker arbeitet seit Jahren mit populärwissenschaftlichen Vorträgen und Büchern daran, der Mathematik ihren Schrecken zu nehmen.

Von Christian Willim

Innsbruck – Der Lärmpegel in der Aula der Innsbrucker Handelsakademie (HAK) ist groß. Keine Spur von Schülern, die wie das Kaninchen vor der Schlange Mathematik erstarren. Im Gegenteil. Es wird diskutiert, gebastelt und gerätselt. „Wenn man nicht weiß, wie eine Rechnung geht, ist das nervig. Aber das macht Spaß“, ist die neunjährige Adriane Scharmer von der vierten Klasse der Volksschule Tulfes, die heute bei „Mathe – Cool!“ zu Gast ist, begeistert.

Genau diese Begeisterung ist das Ziel des Projekts, das die HAK gemeinsam mit dem Institut für Mathematik der Uni Innsbruck bis zum 25. November veranstaltet. 1000 Schüler im Pflichtschulalter aus ganz Tirol sind angemeldet. Und es ist anzunehmen, dass vielen von ihnen Mathe bislang alles andere als Spaß gemacht hat. In keinem anderen Fach wird mehr Nachhilfe gebucht. „Wir wollen mit vielen spielerischen Ansätzen und Praxisbeispielen das Interesse an Mathematik wecken“, erklärt Projektleiter Norbert Netzer, der bis vor einem Jahr das Institut für Mathematik geleitet hat. Nach 38 Jahren als Lehrender schmerzt es ihn, dass Mathematik als das Angstfach schlechthin gilt: „Irgendwie hat man auch ein schlechtes Gewissen, wenn man so lange für ein System tätig war, dass dafür mitverantwortlich ist.“

Es ist eine Krise, die sich an vielen Enden und Ecken bemerkbar macht. So gibt es etwa einen akuten Mathelehrer-Mangel. Um den Unterricht noch gewährleisten zu können, müssen zum Teil sogar Studierende an Tirols Schulen einspringen. „Allein in den AHS sind das fünf bis zehn Lehrer pro Jahr, die so ersetzt werden müssen“, weiß die für diesen Bereich zuständige Schulinspektorin Adolfine Gschliesser.

Dass einiges falschläuft, zeigen auch die Ergebnisse der letzten Bildungstests. Fast jeder dritte (31 Prozent) Zehnjährige in Österreich gehört laut dem Volksschul-Leistungstest TIMSS 2007 zu den Risikoschülern in Mathematik. Diese Schwäche hallt lange nach, wie Karin Peter, Direktorin der HAK Innsbruck feststellt: „Als kaufmännische Schule haben wir natürlich sehr viel mit Mathematik zu tun. Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass die Kenntnisse nicht mehr das sind, was sie einmal waren.“ Darum ist es laut Peter auch so wichtig, bereits bei den jüngsten Schülern anzusetzen.

Begeistern soll in diesem Zusammenhang auch die Ausstellung „Imaginary“, bei der mit Hilfe eines interaktiven Computerprogramms Bilder kreiert werden können, die auf mathematischen Formeln beruhen. Die Ausstellung in der HAK ist am 18. und 25.11. (beide Freitag) von 14 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Toni Times