14.03.2012, 09:44  Aktualisiert: 14.03.2012, 12:47 

Ernährung

Kalorienbomben extra für Kinder

Die Industrie will Kinder auf ungesundes Junkfood programmieren, kritisieren Verbraucherschützer.
Speziell für Kinder hergestellte Lebensmittel öffnen laut Konsumentenschützern der Fehlernährung Tür und Tor.
Foto: APA (dpa)/Oliver Berg

Der Ruf nach einer Junkfood-Steuer sorgt derzeit für Diskussionen. Einige Experten sehen mehr Sinn darin, Kindern von Anfang an gesunde Kost schmackhaft zu machen. Kein leichtes Unterfangen, wie die aktuelle Marktuntersuchung von Foodwatch zeigt.

Die deutsche Verbraucherschutzorganisation hat 1514 Kinderlebensmittel unter die Lupe genommen. Fazit des Reports „Kinder kaufen“: Mit industriell hergestellten Kinderlebensmitteln sei eine ausgewogene Ernährung praktisch unmöglich. Es handle sich dabei nämlich fast ausschließlich um Süßigkeiten und ungesunde Snacks.

Von April 2011 bis Jänner 2012 untersuchte Foodwatch Produkte, die sich gezielt an Kinder richten, indem sie etwa die Aufschrift „für kids“ tragen oder mit Spielzeug-Beigaben die Aufmerksamkeit auf sich lenken. „Die Industrie will Kinder so früh wie möglich auf ungesundes Junkfood programmieren“, kritisierte Anne Markwardt von Foodwatch. Dafür gebe es „einen logischen Grund: Mit Obst und Gemüse lässt sich nur wenig Profit machen – mit Junkfood und Softdrinks schon mehr.“

Formulierungen wie „für Kinder geeignet“ oder „idealer Pausensnack“ sind nicht geschützt und damit nicht aussagekräftig. „Auch die zuckrigste Limonade kann behaupten, sie sei für Kinder geeignet“, ergänzte Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ähnlich unverbindlich ist das Versprechen, „das Beste aus der Milch“ zu liefern. Meist finde sich in den Produkten nur Milchpulver. Auch bei der „Extraportion Vitamine“ sollten Eltern skeptisch bleiben: „Da wird der Bedarf einer erwachsenen Frau mit einem Kind verglichen.“

Doch was ist, wenn Kinder nicht auf den giftgrünen „Action-Pudding“ verzichten wollen? „Das Kind darf ruhig mal etwas Ungesundes essen, aber ihm muss klar sein: Ich kann das nicht dauernd essen, das ist nur ein Nachtisch“, sagt die Expertin. (APA, dpa, TT)

Toni Times