Innsbruck
Altstadt völlig überflutet
Innsbruck – Nahezu wie ein Blitz erwischte Samstagnachmittag ein heftiges Unwetter samt Hagel Innsbruck. Zwanzig Minuten prasselten etwa kirschkerngroße Hagelkörner auf die Landeshauptstadt. Innerhalb kürzester Zeit stand die Altstadt komplett unter Wasser, zum Teil einen halben Meter tief. In vielen Teilen der Stadt versagte das Kanalnetz, mehrere Kanaldeckel wurden wegen der heftigen Regenfälle sogar aus der Verankerung gehoben. Insgesamt 650 Notrufe aus ganz Tirol gingen wegen der Unwetter bei den Feuerwehren ein (siehe Bericht rechts), allein in Innsbruck gab es 350 Notrufe. Unzählige Keller und Geschäfte wurden überflutet. Besonders betroffen waren die Stadtteile Reichenau, Mühlau und Arzl sowie die Altstadt – vor allem im Bereich der Ottoburg.
Über zwei Stunden eingeschlossen in einem Treppenaufgang war Marion Fischer zusammen mit einer Freundin. „Als das Unwetter begann, suchten wir in einem Hauseingang in der Altstadt nach Schutz. Aber das Wasser stieg immer höher und wir konnten weder weiter hinein noch zurück ins Freie“, erzählte die Innsbruckerin nach der ungemütlichen Wartezeit. Die Feuerwehr wurde zwar auf die Damen aufmerksam, konnte sie aber nicht bergen. „Wir mussten in der Kälte und Dunkelheit ausharren.“
Die vereinzelten Rettungsaktionen wurden erschwert, weil stellenweise kurzzeitig der Strom ausfiel. Das Katastrophenlager in der Reichenau wurde aktiviert – Hunderte Sandsäcke kamen zum Einsatz. In höchster Alarmbereitschaft stand die Feuerwehr vor allem wegen eines befürchteten Hangrutsches bei der Einhausung Amras nahe der Autobahn – aber dazu kam es doch nicht.
Voll erwischt hat es hingegen die Bibliothek des Landesmuseums Ferdinandeum. Bücher, Zeitschriften und Druckwerke wurden im Eiltempo evakuiert. Museumsdirektor Wolfgang Meighörner konnte den Schaden noch nicht abschätzen, „aber zum Glück sind keine Kunstwerke betroffen. Die haben wir nach dem letzten Ereignis 2007 von den entsprechenden Flächen geräumt.“
Alle Einsatzkräfte im Land wurden am Abend von Landeshauptmann Günther Platter gelobt: „Die Unwetter der letzten Stunden haben gezeigt, wie professionell das Helfernetzwerk in Tirol aufgestellt ist und im Notfall zur Stelle ist. Insbesondere ohne die vielen Freiwilligen sind solche Einsätze nicht zu bewältigen.“
Trotz der Schäden dürfte Innsbruck glimpflich davongekommen sein. Bis in die Abendstunden gab es keine Meldungen von verletzten Personen. (TT)




