05.09.2010

Schwaz

Das Wandern in Tirol ist des Brühls neue Lust

Tirol spricht ihn an. Alle seine Sinne. Deswegen könnte sich der deutsche Schauspielstar Daniel Brühl auch vorstellen, den Wildschönauer Krautinger-Schnaps in seinem Restaurant in Berlin anzubieten.
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Zur Person

Daniel Brühl wurde am 16. Juni 1978 als Daniel César Martin Brühl Gonzáles Domingo geboren. Der Vater ist Deutscher, die Mutter Spanierin. Brühl ist ein Stadtmensch, in Barcelona geboren, in Köln aufgewachsen, derzeit lebt er in Berlin.

International bekannt wurde Brühl durch „Good Bye, Lenin!“, er spielte u. a. auch in „Das Bourne Ultimatum“ und „Inglourious Basterds“ mit. Interessant: Brühl hat keine Schauspielschule besucht.

Seit Kurzem wirbt der Deutsche für das Wandern auf dem Adlerweg. Durch den von der Tirol Werbung eingefädelten Deal konnten bislang bereits 22,4 Millionen potenzielle Gäste erreicht werden. Am gestrigen Samstag war der 32-Jährige mit vierzehn Fans im Rofan unterwegs.

Herr Brühl, Sie werben seit Kurzem für das Wandern in Tirol. Deswegen darf folgende Frage gestattet sein: Wissen Sie, welcher der höchste Tiroler Berg ist?

Daniel Brühl: Das ist jetzt eine heikle Frage. Ich glaube mich aber erinnern zu können, dass es etwas mit „Spitze“ zu tun hat . . .

Richtig, die Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Dieser Tage sind Sie aber im Rofan am Achensee unterwegs. 5500 Fans hatten sich im Rahmen eines Gewinnspiels beworben, um mit Ihnen wandern zu gehen – vor allem Frauen . . .

Brühl: Ja, diese Zahl hat mich schon überrascht. Und ja, ich habe gehört, dass sich vor allem Frauen beteiligt haben. Mich würde das Durchschnittsalter der Damen interessieren . . . (lacht)

Sie sind ja als Kind mit Ihrem Vater viel in den Bergen unterwegs gewesen, haben auch Filme in den Tiroler Bergen gedreht – wie „Die fetten Jahre sind vorbei“. Was gibt Ihnen das alpine Umfeld, sodass Sie dafür jetzt sogar als Testimonial auftreten?

Brühl: In den Bergen ist man nicht abgelenkt, es fällt vieles weg, das einen in der Großstadt stresst. Das Panorama ist beeindruckend, schön und beruhigend. Hier kann ich abschalten, es ist eigentlich das Beste, das es gibt. Und ich mag das Wandern. Einfach neben jemandem herzugehen, in einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Wandern ist etwas Positives für den Körper und für den Geist.

Sie haben einmal den besonderen Geruch in den Bergen erwähnt. Wie riechen denn für Sie die Tiroler Berge?

Brühl: Als ich am Freitag in Maurach angekommen bin, habe ich als Erstes den Geruch von Holz wahrgenommen. Auf den Bergen rieche ich die Bäume, die Blumen und den Wind, das ist ja eine wahre Geruchssymphonie.

Mich fasziniert aber auch die Stille: Auf den Bergen hört man nichts, das ist sehr beruhigend. Ich weiß, wie selten das ist. Bei Dreharbeiten sogar am Land ist es ja nicht richtig geräuschlos – man hört Traktoren, Flugzeuge und was auch immer. Da drehen die Tonleute immer durch! Deswegen schätze ich die Stille. Und deswegen zieht es mich immer wieder nach Tirol.

Bei Ihrem letzten Tirolbesuch haben Sie ja eine heimische Spezialität kennen gelernt – den Wildschönauer Krautinger-Schnaps . . .

Brühl: Ja, nach dem zweiten hat er bereits besser geschmeckt (lacht). Es wäre lustig, den Krautinger in dem spanischen Restaurant anzubieten, das ich im Dezember mit Freunden in Berlin eröffnen möchte – als einziges nichtspanisches Getränk sozusagen!

Ein Restaurant? In welcher Funktion wird man Sie dort antreffen können?

Brühl: Ich werde zum Glück für meine Gäste nicht kochen. Aber ich möchte schon das Gesicht des Lokals sein, das muss authentisch sein, man muss die Leidenschaft spüren. Wir wollen im „Raval“ auf jeden Fall die besten Tapas in Berlin anbieten.

Wie schaut es mit aktuellen Filmarbeiten aus? Sie sollen ja demnächst mit Hollywoodstar Clive Owen vor der Kamera stehen?

Brühl: Stimmt, nächste Woche geht es in Madrid los mit den Dreharbeiten zu „Intruders“, einem Thriller.

Diese Woche abgedreht habe ich gerade „Der ganz große Traum des Konrad Koch“. Da geht es um jenen Mann, der den Fußball nach Deutschland gebracht hat. Das war eine tolle Erfahrung, weil ganz viele Kinder mitgespielt haben, obwohl es mitunter auch anstrengend war. Und der letzte Film in diesem Jahr wird „Niemandsland“ sein, eine DDR-Geschichte von zwei Freunden, die das Land verlassen wollen.

Das klingt stressig. Wie man gehört hat, sind Sie ja auch noch als Buchautor tätig?

Brühl: Stimmt, das wird ein Buch über Barcelona. Vielleicht komme ich ja dafür noch einmal auf eine Tiroler Hütte zurück, um es fertig zu schreiben.

Mit Ihren 32 Jahren sehen Sie noch sehr jugendlich aus. Empfinden Sie das als Vor- oder Nachteil?

Brühl: Wenn ich mir Filme von früher ansehe, muss ich sagen, ich bin doch sichtbar älter geworden. Aber mit Anfang, Mitte zwanzig dachte ich schon, ich hätte dieses Michael-J.-Fox-Syndrom des ewig Junggebliebenen. Aber ich kriege jetzt immer öfter Rollen angeboten, die meinem Alter entsprechen und manchmal sogar drüber liegen. Aber in zehn oder zwanzig Jahren freue ich mich sicher darüber, dass ich jung aussehe.

Sie haben bereits mit einigen internationalen Stars gedreht – u. a. mit Brad Pitt in „Inglourious Basterds“, der Sie für Ihre filmische Leistung gelobt hat. Wie war es, mit ihm zu arbeiten?

Brühl: Es war eine tolle Erfahrung. Aber nach zwei, drei Tagen am Set hat man vergessen, dass man neben Brad Pitt steht. Es herrschte ein normaler, kumpelhafter Umgang.

Zurück zu den Bergen. Waren Ihre Freunde nicht verwundert, dass Sie für Wandern in Tirol werben?

Brühl: Doch, einige waren zunächst schon ein wenig erstaunt über dieses Engagement. Aber nur jene, die das Ganze hier noch nicht so gut kennen. Aber das wird sich ja möglicherweise ändern.

Wie haben Sie die Tiroler kennen gelernt?

Brühl: Das hier ist ja nicht nur eine tolle Gegend, ich war auch erstaunt über die beinahe südländische Offenheit, Freundlichkeit und Neugierde auf Dinge nach außen.

Keine Verständigungsprobleme?

Brühl: Na ja, daran lässt sich ja arbeiten. Aber einmal hat um sechs Uhr morgens ein Almbauer mit mir gesprochen. Da habe ich wirklich nichts verstanden!

Sind weitere Filmdrehs in Tirol für Sie derzeit ein Thema?

Brühl: Ja, derzeit laufen gerade Gespräche, ob es vielleicht schon im nächsten Jahr wieder so weit sein könnte. Geplant ist nämlich die Verfilmung von „Ich und Kaminski“, das ist ein Roman von Daniel Kehlmann. Und der spielt im Alpengebirge. Es würde mich auf jeden Fall freuen, wieder herzukommen.

Die Berge scheinen Sie ja mächtig in den Ban gezogen zu haben?

Brühl: Ich halte mich ja für relativ entspannt. Aber ich habe bei den Filmdrehs in Tirol festgestellt, dass sich nach zwei, drei Tagen der Rhythmus auf positive Art und Weise ändert. Dann komme ich in den Flow ...

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.09.2010
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