Osttirol
Italiener drohen auszubleiben
Bahn fährt wieder
Keine Verspätungen. Seit Dienstag, 14.30 Uhr, fahren die Züge wieder durch das Pustertal. Aus Sicherheitsgründen wird der Abschnitt im Bereich des Murenabganges in Leisach noch langsam befahren, erklärte ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel. Verspätungen könne die ÖBB ausschließen, da es im Fahrplan Zeitreserven gebe.
Im Zug statt im Stau. Den Pendlern wird nahegelegt, die Bahn zu benutzen, um Staus auf der Straße zu vermeiden. Autofahrer müssen über die Höhenstraße ausweichen, es gibt Blockabfertigung.
Von C. Oblasser, S. Kuess
Leisach, Lienz – Gewaltige Erdmassen blockieren nach wie vor die Drautalbundesstraße auf der Höhe von Leisach. Nicht nur die Straße, sondern auch das Bachbett der Drau und der beliebte Drauradweg, der entlang des Flusses verläuft, sind von der Mure bedeckt. „Die Bundesstraße können wir am Freitagabend vielleicht schon wieder für den Verkehr freigeben“, erklärt Harald Haider vom Baubezirksamt in Lienz. Auch die Drau sollte in den nächsten Tagen wieder in ihr eigentliches Bett zurückfließen.
Keine Hoffnung besteht laut Haider jedoch für den beliebten und viel befahrenen Drautalradweg. An schönen Tagen benützen rund 3000 Radfahrer, davon etwa 85 Prozent Italiener, die 42 Kilometer lange Strecke von Innichen nach Lienz. Damit gehört die Strecke zu den meist frequentierten Radwegen Österreichs. „Die enorme Menge an Schottermaterial hat riesige Böschungen im Bereich der Radroute gebildet. Das macht die Räumarbeiten zu gefährlich“, meint Haider. Außerdem könne die Strecke nicht so sicher ausgestaltet werden, dass Radler sie benützen können. „Jederzeit kann neues Material herunterkommen. Dort vorbeizufahren wäre viel zu gefährlich.“
Priorität haben laut dem Bauamtsleiter die B 100, die mit Hochdruck von den Erdmassen freigeräumt wird, und die Drau selbst. „Wenn die Schneeschmelze kommt, muss der Fluss so weit saniert sein, dass er das Schmelzwasser aufnehmen kann“, erklärt Haider. Auch für eventuelle starke Regenfälle oder Gewitter müsste die Drau wieder aufnahmefähig gemacht werden, meint der Leiter des Baubezirksamtes in Lienz.
Für den Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, Franz Theurl, gilt es „alles daranzusetzen, dass der Radweg im Sommer offen ist“, erklärte er gestern bei einem Pressegespräch in Lienz. Er habe zwei Lösungsvarianten in Aussicht, beide seien aber „schwierig und aufwendig“. Noch wolle er keine Details zu den möglichen Ideen bekannt geben, zuvor wolle er noch die Meinungen von verschiedenen Experten einholen.
„Wir brauchen aber mit Sicherheit Geld aus dem Katastrophenfonds“, meint der oberste Osttiroler Touristiker. Seit die Mure in Leisach am Samstag abging, mache er sich mit weiteren Verantwortlichen Gedanken über eine Variante, wie die vorwiegend italienischen Radgäste im Sommer nach Lienz kommen, erzählt er. Theurl sowie Werner Frömel, Aufsichtsratsvorsitzender des Tourismusverbandes, waren sich gestern einig: „Die Mure wird die Sommersaison nicht beeinflussen.“




