27.02.2010, 07:25  Aktualisiert: 27.02.2010, 07:34 

International

Theologe Küng gibt Zölibat Mitschuld für Missbrauchsfälle

Laut Hans Küng „Widerspricht das Zölibat-Gebot dem Evangelium und gehört abgeschafft“. Er kritisiert die „verkrampfte Einstellung der Kirche zur Sexualität“.
„Wegen der Versuchung zur Unzucht soll jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann haben“, schrieb Küng in der „SZ“. Foto: AP

Tübingen – Der Tübinger Theologe Hans Küng gibt dem Zölibats-Gebot für Geistliche eine Mitschuld an dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an katholischen Schulen.

Es sei auffällig, dass Kindesmissbrauch „massenhaft gerade in der von Zölibatären geleiteten katholischen Kirche“ vorkomme, schreibt Küng in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstag).

Das Zölibatsgesetz widerspreche dem Evangelium und gehöre abgeschafft. Der Theologie-Professor verweist dazu unter anderem auf den 1. Korintherbrief, Kapitel 7, Vers 2: „Wegen der Versuchung zur Unzucht soll jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann haben“, zitiert Küng. Im System der römisch-katholischen Kirche diene der Zölibat vor allem dazu, dass sich der Klerus durch seine Ehelosigkeit vom christlichen Volk abhebe. Zugleich sei er „der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zur Sexualität“.

Viele Probleme der Kirche wie etwa der Priestermangel ließen sich lösen, wenn Kleriker heiraten dürften und auch Frauen zur Ordination zugelassen würden. „Die Bischöfe wissen das, sollten aber auch den Mut haben, es auszusprechen. Sie hätten die große Mehrheit der Bevölkerung und auch der Katholiken hinter sich“, schreibt der der Theologe. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 27.02.2010  07:25
aktualisiert: Sa, 27.02.2010  07:34
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