International
Briten tief im Schuldensumpf: Anleger „wetten“ auf Pfund-Absturz
London – Während sich derzeit alle Augen auf die Schuldenkrise in Griechenland richten, steht eine noch viel größere Volkswirtschaft vor vergleichbaren Problemen. Mittlerweile hat auch die EU-Kommission auf den wachsenden Schuldenberg Großbritanniens und das damit einhergehende Budgetdefizit reagiert. Dieses könnte in diesem Jahr mit 12,1 Prozent ähnlich hoch ausfallen wie jenes, das für die bankrotten Griechen prognostiziert wurde.
EU-Aufruf zum Sparen zurückgewiesen
Die Kommission fordert von den Briten jedenfalls verstärkte Sparanstrengungen. Mittelfristig würden die Pläne der Brown-Regierung nicht ausreichen, um das Budgetdefizit innerhalb von fünf Jahren wieder unter die Obergrenze von drei Prozent zu drücken. Zudem sei die Wachstumsprognose des Landes möglicherweise zu optimistisch.
Die britische Regierung hat diesen Forderungen jedoch eine Absage erteilt. „Die EU schätzt die Lage falsch ein“, sagte Finanzstaatssekretär Liam Byrne gegenüber der BBC. „Wir denken, das würde dem öffentlichen Dienst und dem Steuerzahler einen irreparablen Schaden zufügen“, so Byrne.
Pfund auf Talfahrt
Was dem Land ganz sicher Schaden zufügt, ist die anhaltende Talfahrt des Pfund. Seit Jahresbeginn hat die britische Währung gegenüber dem Dollar um 6,2 Prozent nachgegeben. Derzeit bewegt sich der Kurs bei rund 1,50 Dollar. Experten glauben nicht an eine baldige Stabilisierung - im Gegenteil könnte das Pfund bis Jahresende auf bis zu 1,3 Dollar abstürzen. Grund dafür ist nicht nur die schlechte Wirtschaftslage, sondern vor allem die Gier vieler Spekulanten, die derzeit auf einen Fall der Währung „wetten“.
AAA-Rating gefährdet
Die Ratingagentur Moody‘s sieht Großbritannien gar gefährdet sein AAA-Rating zu verlieren und auch nach Einschätzung der Agentur Fitch hat sich die Kreditwürdigkeit des Inselstaates dramatisch verschlechtert.
Doch gerade jetzt wo es an der Zeit wäre eine Budgetsanierung in Angriff zu nehmen und Ausgaben zu kürzen, stehen die Unterhauswahlen bevor - wodurch unpopuläre Maßnahmen auf die lange Bank geschoben werden. Nach aktuellen Umfragen können weder die regierende Labour Party noch die Konservativen bei der Wahl Anfang Mai mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Dies würde die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen vermutlich weiter verzögern.
Unsummen für Bankenrettungen
Das riesige britische Defizit ist zu einem großen Teil auf die Unsummen zurückzuführen, die die Regierung zur Bekämpfung der Finanzkrise ausgegeben hat. Der Staat hat zwei ins Schlingern geratene Hypothekenfinanzierer übernommen und hält Mehrheiten an zwei Großbanken, der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group. 200 Milliarden Pfund hat die Bank of England in die Finanzmärkte gepumpt, um die Kapitalversorgung sicherzustellen.
Die britische Gesamtverschuldung wird in diesem Jahr schätzungsweise auf 82 Prozent des BIP steigen. Das ist fast doppelt so viel wie vor zwei Jahren. (siha, apn/Reuters)
aktualisiert: Mo, 23.08.2010 11:10





