Österreich
Skinheads bei Wahlveranstaltung der FPÖ - ORF zeigte Aufnahmen
Wien – In der Affäre um angeblich zu einer FPÖ-Veranstaltung bestellte Neonazis geht der ORF nun in die Offensive: Am Donnerstagvormittag zeigte man vor Journalisten jene inkriminierten Passagen einer geplanten „Am Schauplatz“-Reportage, wegen derer die FPÖ Anzeige gegen den ORF-Redakteur Eduard Moschitz erstattet hatte. Neonazistische Parolen sind darauf nicht zu hören.
Zu sehen ist auf dem Band der Schluss einer FPÖ-Parteiveranstaltung vom vergangenen Freitag in Wiener Neustadt, wo Strache zunächst Autogramme gibt und sich bereitwillig mit Fans fotografieren lässt, bevor er auf jene zwei kahlrasierten jungen Männer stößt, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen vom „Schauplatz“-Team mit der Kamera für eine Reportage und Milieustudie begleitet wurden und auch beim Besuch der FPÖ-Parteiveranstaltung gefilmt worden sind.
Zwischen den beiden eher derangiert wirkenden jungen Männern und dem FPÖ-Chef entspinnt sich dabei ein kurzer Dialog, in dem Strache unter anderem abzuklären versucht, wer denn ein mögliches Foto machen soll. Die beiden geben an, keinen Fotoapparat zu haben, einer der beiden deutet aber auf die ORF-Kamera und sagt: „Die Kamera gehört zu uns.“ Strache gibt daraufhin ein Autogramm und geht zunächst zu anderen Anhängern weiter, bevor er die Polizei holen lässt und von einer „Agent Provocateur-Geschichte“ spricht.
„Heinrich Strache“, aber kein „Sieg Heil“
Dass - wie von der FPÖ später in einer Aussendung behauptet - auf Aufforderung des Redakteurs einer der Burschen „Sieg Heil“ gerufen habe, ließ sich anhand der vom ORF gezeigten Aufnahmen, bei denen es sich um eine Kopie des von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Originalbandes handelt, nicht belegen. Lediglich ein ähnlich klingender Satz eines Burschen legt zumindest nahe, dass es sich bei dem angeblichen „Sieg Heil“ um eine akustische Verwechslung handeln könnte: Dabei liest einer der beiden von der eben von Strache unterschriebenen Autogrammkarte ab und sagt in normaler Redelautstärke vor sich hin: „Wos stehtn do? ‚H.E.‘ (korrekt wiedergegeben, Anm.) Strache. Aah! ‚Heinrich Strache‘. ‚H.E. - Abkürzung.“
Auch die von der FPÖ als Aufforderungen interpretierten Dialoge des ORF-Redakteurs mit den beiden Burschen waren auf den unveränderten Rohaufnahmen zu hören: An einer Stelle sagt Moschitz etwa: „Jetzt könnt‘s alles zum Herrn Strache sagen, was ihr sagen wollts‘“. Als dieser sich wieder entfernt, fragt er die beiden Skinheads um ihre Meinung zu dem Politiker, wobei er die Worte gebraucht: „Und? Was sagt‘s ihr zu ihm?“ Die Antwort: „.. I geh auf a Bier.“ Wobei Moschitz betonte, dass den Äußerungen der Wunsch der beiden Arbeitslosen vorausging, einmal mit Strache zu reden, woran er sie bei der Gelegenheit offenbar erinnern wollte.
Vom ORF-Team begleitet wurden im übrigen nur zwei Burschen, an Ort und Stelle habe sich ein Minderjähriger zu ihnen gesellt, der aber nicht Teil der Reportage ist, so der ORF.
Magazinchef Johannes Fischer und ORF-Kommunikationschef Pius Strobl betonten, dass die Reportage jedenfalls auf Sendung gehen wird. (APA)
aktualisiert: Fr, 28.05.2010 09:09




