Österreich
Polizist bestätigt Rassismus
Wien – Fünf Polizisten haben sich seit gestern im Wiener Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs zu verantworten, weil sie sich geweigert haben sollen, eine Anzeige des zweifachen österreichischen Olympiateilnehmers Tuncay Caliskan aufzunehmen. Stattdessen soll der Tiroler Taekwondo-Kämpfer türkischer Abstammung auf einer Wachstube in Wien-Margareten von mehreren Beamten als „Tschusch“ und „Scheißkanak“ beschimpft worden sein.
Gleich zu Beginn ließ einer der angeklagten Polizisten aufhorchen, indem er die inkriminierten Beschimpfungen bestätigte. Der 40-jährige Beamte, dem als Einzigem nicht vorgeworfen wurde, verbal ausfällig geworden zu sein, erklärte, der Sportler sei den Uniformierten nicht aggressiv begegnet. Dennoch sei einer seiner Kollegen dem 32-Jährigen gegenüber „von Haus aus negativ eingestellt gewesen“. Der Kollege habe „Worte verwendet, die man Parteien gegenüber nicht sagen sollte“ und sich „entschlossen, keine Amtshandlung zu führen, sondern den Herrn Caliskan zu beschimpfen“.
Auf die Frage, ob der Sportler auf der Wachstube ruhig geblieben sein, antwortete der Polizist: „So, wie sich der Kollege verhalten hat, wär‘ ich unter Umständen auch aufgebracht gewesen.“ Caliskan habe sich lediglich „falsch angesprochen gefühlt und eine Entschuldigung eingefordert“.
Zwei weitere Beamte, die die Ausfälligkeiten mitbekamen, sollen den 4. der Olympischen Spiele in Sydney 2000 im weiteren Verlauf ebenfalls beflegelt haben. Der damals diensthabende Wachkommandant soll das nicht unterbunden haben und damit seiner Dienst- und Fachaufsicht nicht nachgekommen sein.
Der Zwischenfall ereignete sich im November 2006, als Tuncay Caliskan an einem frühen Sonntagmorgen die Polizei aufsuchte, weil er angeblich vor bzw. beim Einparken seines Pkw von einem Betrunkenen mit einem Baseballschläger bedroht wurde. Er wollte den Unbekannten wegen gefährlicher Drohung anzeigen, was die Polizisten nicht zuließen – der Sportler habe auf sie keinen ängstlichen Eindruck gemacht, hieß es gestern.
Allerdings wurde der Staatsanwaltschaft der Baseballschläger, der tagelang auf der Polizeiinspektion verwahrt wurde, zunächst verschwiegen. Vielmehr soll einer der Beamten vorgeschlagen haben, diesen „wegzuschmeißen“. Caliskan ging mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Am Freitag soll der Profi-Sportler persönlich vor Gericht aussagen. (TT, APA)




