Innsbruck
Tiroler wollen Bio-Waffe in Kampf gegen die Ölpest schicken
Von Silvana Resch und Simon Hackspiel
Innsbruck – Für die ölverseuchten Gebiete im Golf von Mexiko wäre es ein ökologisch vertretbarer Rettungsansatz, für die kleine Innsbrucker Firma RTH3 wohl der finanzielle Durchbruch.
„Biosativa“ nennt sich deren Reinigungsmittel, das Abhilfe gegen die Ölpest schaffen soll. „Wir warten jeden Tag auf einen Termin in Washington“, zeigt sich RTH3-Geschäftsführer Hanspeter Walter zuversichtlich: „Die Gespräche mit den US-Behörden sind sehr konkret.“
Und hält „Biosativa“ tatsächlich, was sein Produzent, der deutsche Chemiker Frank Kuhl verspricht, dann sei das eine „tolle Sache“, sagt Molekularbiologe Heribert Insam von der Uni Innsbruck. „Biosativa“ soll nämlich nicht nur zu hundert Prozent biologisch abbaubar sein, sondern vor allem auch „Rohöl in höchstens dreißig Tagen vernichten“, wie Kuhl garantiert. „Bis Öl von der Natur zersetzt werden kann, dauert es hingegen Jahre“, erklärt der Molekularbiologe Insam.
Um diesen Prozess zu beschleunigen, wurde von BP bereits die Chemikalie „Corexit“ eingesetzt. „Gift wird mit Gift bekämpft, ohne die Auswirkungen abschätzen zu können“, gibt Kuhl zu bedenken.
Keine Belastung für die Umwelt
Sein auf Hanföl basierendes Reinigungsmittel sei von der Wirkung ähnlich dem chemischen Mittel, freilich ohne Belastung für die Umwelt: „‚Biosativa‘ zerstört die Molekülkette von Rohöl. Die dabei entstehende Flüssigkeit verbindet sich mit dem Meerwasser, wo sie von den Mikroben gefressen werden kann“, erläutert Kuhl.
„Biosativa“, das auch als Haushaltsreiniger Verwendung findet, sei bereits 1989 bei einem Ölaustritt auf dem Rhein eingesetzt worden. „Damals hat es sich bestens bewährt“, erzählt Kuhl. Da es chemische Reiniger überflüssig mache, sei das Mittel aber von der Chemie-Lobby blockiert worden.
Nun sei das Interesse an „Biosativa? rapide angestiegen. Auch Onlinebestellungen aus aller Welt treffen ein.
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„Biosativa“-Entwickler Frank Kuhl im Gespräch
Inwieweit könnte das Öl durch „Biosativa“ abgebaut werden? Wird es nach der Behandlung mit dem Mittel vollständig unschädlich gemacht?
Kuhl: Es vernichtet das Rohöl in maximal 30 Tagen, indem es die Molekülkette zerstört. Die daraus entstehende Flüssigkeit verbindet sich mit dem Wasser, wo es auf natürliche Weise von Mikroben gefressen und somit aufgelöst wird. Ein halber Liter des Mittels kann einen Ölteppich in der Größe von 10 Quadratmetern auflösen. Vor allem im Küstenbereich kommt es durch Seegang und Brandung zu einer intensiven Vermischung, was zusätzlich von Vorteil ist.
Wäre dieser Zersetzer auch großflächig einsetzbar? Welche Menge könnten Sie produzieren bzw. bereitstellen?
Kuhl: Ja, es könnte von Flugzeugen aus auf den Ölteppich gesprüht werden. Wir können an unserem Produktionsstandort in Köln derzeit 20 Tonnen im Monat herstellen. Die Kapazitäten könnten aber noch deutlich ausgebaut werden, sollte das Mittel tatsächlich im Golf von Mexiko zum Einsatz kommen.
Sie haben „Biosativa“ verschiedenen Stellen in den USA angeboten, unter anderem auch BP und der Regierung. Wie ist die Resonanz?
Kuhl: Anfangs haben wir keine Rückmeldungen bekommen, doch mittlerweile ist das Feedback groß. Wir stehen derzeit in Verhandlungen mit der US-Küstenwache, die in direkter Verbindung mit der Regierung steht. Es tut sich etwas, aber wir möchten derzeit noch keine Details preisgeben. Wir haben mittlerweile auch einen prominenten Unterstützer, es wurde aber Stillschweigen vereinbart.
Wofür wurde das Mittel ursprünglich entwickelt? Könnte es auch in anderen Bereichen eingesetzt werden?
Kuhl: Es wurde vor mehr als 20 Jahren von einer Chemie-Firma in Deutschland entwickelt, dann aber fallengelassen. Auch darum, weil die Chemie-Lobby es blockierte. Vor drei Jahren hat es unsere Firma aufgegriffen, eigentlich als Reinigungsmittel. Es eignet sich hervorragend für den Haushaltsbereich. Jegliche Art von Öl kann damit entfernt werden.
Könnten nicht andere Firmen die Zusammensetzung knacken und ihr Mittel „klauen“?
Kuhl (lacht): Nein, das haben schon einige versucht. Zwar können die Inhaltsstoffe analysiert werden, die genaue Zusammensetzung hat jedoch noch niemand herausgefunden.
aktualisiert: Di, 15.02.2011 14:48






