03.08.2010, 14:17  Aktualisiert: 17.02.2011, 09:49 

Hallali auf Isegrim

Wallis gibt Wolf zum Abschuss frei – Tierschützer sind empört

Unter 200 getötete „Nutztiere“ durch Wölfe gibt es in der Schweiz im Jahr durchschnittlich. Doch weil im Juni und Juli im Wallis überdurchschnittlich viele Tiere gerissen wurden, muss jetzt ein Wolf dran glauben.
Wölfe erfreuen sich in verschiedenen Ländern unterschiedlicher Beliebtheit. In der Schweiz ist Isegrim eher ungern gesehen. Foto: APA
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Sitten – Ein Wolf, der im Schweizer Kanton Wallis mehrere Schafe und Rinder gerissen haben soll, ist zum Abschuss freigegeben.

Nach langen Diskussionen mit Tierschützern und den Berner Behörden erlaubte die Regionalregierung in Sitten jetzt den betroffenen Viehzüchtern, das Raubtier ins Visier zu nehmen.

Untersuchungen hatten ergeben, dass mindestens ein Wolf im Juni und Juli etliche Schafe getötet hatte. Auch zwei tote Kühe und ein verletztes Rind waren gefunden worden.

Tierschützer vom Wildtierschutz Schweiz sind entsetzt über die Entscheidung der Walliser Regierung. Für sie ist die Maßnahme völlig überzogen.

Und wirft man einen genaueren Blick in die zur Verfügung stehenden Statistiken, so ergibt sich zumindest eine schiefe Optik. Denn: Die Schweizer Schafwirtschaft kümmert sich derzeit um rund 420.000 Schafe, wovon ca. die Hälfte auf der Alm den Sommer verbringt.

Wenig behirtete Tiere

Weniger als die Hälfte davon ist aber auch behirtet. Das führt zu einem „natürlichen Abgang“ von Schafen durch Krankheiten, Abstürze, Steinschläge, Zäune, Blitzschläge und sonstige Verletzunge von wenig unter fünf Prozent des Bestandes. Wie der Verein Wildtierschutz in Bezug auf eine WWF-Studie errechnet, sterben so jährlich rund 12.000 Schafe. Vergleicht man die Opferzahlen, so erscheint der Wolf als kleines „Problem“ für die Schafzüchter.

Entsprechend kritisch äußern sich die Tierschützer und meinen: „Gemäß geltendem Recht ist der Wolf eine streng geschützte Tierart. Abschüsse sind per Gesetz nur in Ausnahmefällen, bei besonders Schaden stiftenden Tieren erlaubt.“

Höchste Abschussquote

„Doch die Ausnahme ist in der Schweiz längst die Regel. Die Schweiz hat eine der höchsten Wolfsabschussquoten Europas, sogar höher als in den meisten Ländern, in denen der Wolf jagdbar ist.“

Ironie an der Geschichte: Das internationale Abkommen zum Schutz der Tiere heißt „Berner Konvention“.

Der Wildtierschutz-Verein ruft zu einer drastischen Protestaktion auf: „Wir empfehlen bei Ferienplanungen den Kanton Wallis nicht mehr zu berücksichtigen.“ (red, APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 03.08.2010  14:17
aktualisiert: Do, 17.02.2011  09:49
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