Innsbruck
„Wer es nicht selbst gesehen hat, kann es nicht glauben“
Von Kathrin Waldner
Innsbruck – Der graue Sonntag tut dem Touristenstrom in der Innsbrucker Altstadt keinen Abbruch: Es wird fleißig fotografiert und in den Gastgärten herrscht Hochbetrieb. Nichts erinnert daran, dass tags zuvor Wassermassen durch die altehrwürdigen Gassen strömten. Erst ein Blick in die Lokale und Geschäfte lässt erahnen, mit welcher Wucht das Unwetter am Samstag zugeschlagen hat.
„In zwei Minuten ist das Wasser kniehoch gestanden“, erzählt Gabriele Langreiter vom Souvenir- und Tabakgeschäft Grässle. Zwar konnte sie in letzter Sekunde die Türe schließen – trotzdem drang das Wasser in den Laden ein und zerstörte alle elektronischen Geräte. „Alle waren sehr zuvorkommend“, ist Langreiter noch am Tag danach von den Feuerwehrleuten begeistert. So wurde ihr ungefragt eine Decke gebracht, damit sie sich nach dem eiskalten „Fußbad“ wärmen konnte.
Besonders schlimm hat es ihren Geschäftsnachbarn Peter-Paul Bloder getroffen. Sowohl sein gleichnamiges Modegeschäft als auch der Souvenirshop Höbel blieben nicht verschont – besonders wild traf es Letzteren. Dort stand das Wasser hüfthoch – die Zerstörung ist enorm. „Bei beiden Geschäften schaut es derzeit nicht gut aus, mal schauen, wie und ob es weitergeht“, erklärt ein sichtlich geschockter Bloder, der im Urlaub von den Geschehnissen in Innsbruck erfuhr.
Nicht ganz so arg wurde der Laden „Liebe Geschenke“ beeinträchtigt, wo Carolin Schöpf seit den Morgenstunden im „Putzeinsatz“ steht. „Meine Kollegin konnte durch den enormen Druck nicht einmal mehr die Türe schließen.“ Auch in der MPreis-Filiale ist Großputz angesagt. Dort stand das Wasser im hinteren Teil einen halben Meter hoch und zerstörte alle Kühleinrichtungen.
Glück im Unglück hatte die Familie Hackl, Besitzer des Hotels „Goldener Adler“. Nach dem Hochwasser 2005 trafen sie Schutzmaßnahmen, die ihnen am Samstag von Vorteil waren. Zudem kamen auch Sitzpolster und Tischdecken zum Einsatz, „mit denen wir die Türen so gut es ging abdeckten“, berichtet Thomas Hackl. Gäste mussten deshalb „durch die Fenster anreisen“. Ähnliches auch im „Hotel Innsbruck“. Dort versuchte man sich mit Sandsäcken zu schützen. Trotzdem stand auch hier das Wasser im Eingangsbereich 20 Zentimeter hoch. „Amerikanische Touristen haben sogar für einen guten Ausgang des Ganzen gesungen“, so Mitarbeiterin Daniela Dallio.
„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Dieses Resümee zieht auch Gerhard Mimm, Geschäftsführer des Lokals L‘osteria. Dort drückte es das Wasser durch Rohre in der Küche und in den Toiletten heraus. „Wer es nicht selbst gesehen hat, kann es nicht glauben.“ Unterkriegen lässt er sich jedoch nicht: „The show must go on – die Show muss weitergehen“.
Ebenso betroffen war am Samstag auch die Innsbrucker Klinik. An einigen Stellen im Untergeschoß kam es zu Wassereinbrüchen, die aber von den klinikeigenen Mitarbeitern gesichert wurden.




