29.07.2010, 07:07  Aktualisiert: 16.02.2011, 10:25 

International

China: Ex-Polizist berichtete von Organhandel in seiner Heimat

Man habe Häftlinge im Todestrakt nur angeschossen und ihnen dann noch lebend die Organe entnomme, um damit zu handeln, erzählte der geflohene Chinese.
Ein geflohener Chinese erzählt von unfassbaren Zuständen bezügliche illegalen Organhandels in seiner Heimat. Foto: AP

Bern – Nach der Ablehnung seines Asylantrags in der Schweiz wird ein ehemaliger chinesischer Polizist nach Italien abgeschoben.

Als Mitglied einer Sondereinheit hatte er in der Provinz Xinjiang Häftlinge im Todestrakt begleitet und wurde dabei nach eigenen Angaben Zeuge von Organhandel.

Laut einem Bericht der Zeitung „Le Temps“ vom Mittwoch war der Uigure 2007 aus China nach Europa geflohen. Nach Aufenthalten in Italien und Norwegen reiste er im November 2009 illegal in die Schweiz ein und lebte in einem Asylbewerberheim im Kanton Neuenburg.

Laut einem Sprecher des Schweizer Bundesamtes für Migration (BFM) soll er noch am heutigen Donnerstag nach Italien abgeschoben werden, wo er zuerst eingereist war.

Der Flüchtling war nach eigenen Angaben von 1993 bis 1997 Zeuge von schrecklichen Vorkommnissen in einer Haftanstalt in Urumqi, der Hauptstadt von Xinjiang.

Die autonome Region im Nordwesten Chinas wird mehrheitlich von muslimischen Uiguren - einer turksprachigen ethnischen Minderheit - bewohnt.

Den Häftlingen seien noch vor dem klinischen Tod Herz, Nieren und Augen entfernt worden, um sie später zu verkaufen, sagte der Asylbewerber bei seiner Befragung durch die Migrationsbehörden in der Schweiz. Ein Auszug aus dem entsprechenden Protokoll wurde von „Le Temps“ publik gemacht.

Der Ex-Polizist berichtet darin von einer bis neun Exekutionen pro Monat. Dabei würden die zum Tode Verurteilten jedoch nur angeschossen. Anschließend fahre man die schwer verletzten Gefangenen in einem Ambulanzfahrzeug ins Spital und entnehme ihnen die Organe.

Er sei aus der Polizeieinheit ausgetreten, weil er die Arbeit nicht mehr ertragen habe. Nach der Kündigung habe man ihm schwere Konsequenzen angedroht, sollte er über das Erlebte sprechen. Laut „Le Temps“ fühlt er sich auch in Europa durch chinesische Agenten bedroht. (APA/sda)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 29.07.2010  07:07
aktualisiert: Mi, 16.02.2011  10:25
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