30.07.2010

Schwaz

Bergretter kritisieren riskante Klettermanöver

Der Absturz einer 18-jährigen Zillertalerin in Schwendau zeigt eines klar: Immer öfter agieren Sportler in Klettersteigen sehr fahrlässig.

Von Marco Witting

Schwendau – Ein Boom und seine Folgeerscheinungen. Alleine im hinteren Zillertal gibt es mittlerweile sechs Klettersteige – teilweise mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad. Und immer mehr Sportler, vor allem Einheimische, nutzen die Möglichkeit, in Ortsnähe in ein Klettergebiet zu kommen. Doch dabei werden oft die eigenen Fähigkeiten über- und die Risiken unterschätzt.

Der Unfall einer 18-jährigen Zillertalerin am Mittwoch hat dies nach Ansicht der Bergretter deutlich gezeigt. Die junge Frau, sie war den Huterlaner-Klettersteig bereits mehrfach gegangen, war bei ihrem 30-Meter-Absturz – trotz Klettergurt – weder gesichert noch trug sie einen Helm. „Sie ist in einen Taxenhaufen gefallen, der ihr das Leben gerettet hat. Drei Meter links oder rechts und der Absturz wäre tödlich ausgegangen“, erklärt Michael Knauer von der Bergrettung Mayrhofen. Die Frau wurde, wie berichtet, schwerverletzt mit dem Helikopter in die Klinik nach Innsbruck geflogen.

Die Ortsnähe der Klettersteige hätte eine ganz neue Dimension für diesen Sport eröffnet. Und gerade die Einheimischen, die sich fit fühlen und sich gut auskennen, würden bei ihren Klettermanövern immer frecher. So würden sich einige schwarze Schafe nur mit der Hand am Sicherungsseil festhalten. Eine grobe Fahrlässigkeit, die auch nicht den Klettersteigregeln entspricht.

„Es gibt Sportler, die ganz ohne Ausrüstung gehen, und andere, die sich einfach aushängen und frei drauf los steigen“, erzählt Knauer, der den aktuellen Fall zum Anlass nehmen will, um Präventionsarbeit zu leisten. Die Bergrettung sei nicht dazu da, Verstöße zu kontrollieren. Aber: „Auch wir sind unterwegs und bekommen einiges mit. Dazu werden uns natürlich auch viele Vorkommnisse, die nicht gemeldet werden, erzählt.“

Rund 15 Einsätze hat alleine die Ortsstelle in Mayrhofen im Sommer in den einzelnen Klettersteigen. Tendenz steigend. Und es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer von Vorfällen, die erst gar nicht gemeldet werden.

„Wir wollen an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren, aber bestimmt niemandem den Spaß an diesem Sport oder den Bergen nehmen.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 30.07.2010
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