17.03.2010

Kufstein

Pokerturnier trotz Razzia fortgesetzt

Das Cardcasino Kufstein war am Freitag Schauplatz einer groß­ angelegten Razzia. Den Spielbetrieb konnte die Behörde nicht beenden.

Von Thomas Hörmann

Kufstein – Verstoß gegen das Glücksspielmonopol: So lautet der Verdacht, der am Freitagabend zu einer großangelegten Razzia im Cardcasino Kufstein führte. „Das Glücksspielgesetz sieht einen maximalen Einsatz von 50 Cent vor“, begründet Elisabeth Kircher von der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Und dieser Höchsteinsatz dürfte nach Ansicht der Behörde deutlich überschritten worden sein.

Nach wochenlangen Ermittlungen stürmten am Freitag gegen 17.30 Uhr etwa 20 Beamte (Polizei, Stadtpolizei Kufstein, Finanz, Bezirkshauptmannschaft) das Lokal im Kufsteiner Zentrum.

Und zwar zum ungünstigsten Zeitpunkt. Zumindest aus der Sicht von Casino-Betreiber Dieter Zangger: Denn am Freitag begann im Spiellokal ein dreitägiges Pokerturnier mit knapp 100 Spielern aus Tirol, Deutschland und Ostösterreich. „Das Turnier war mit 15.000 Euro dotiert“, weiß ein Polizist.

Nach etwa drei Stunden war die Razzia beendet. Im Auftrag der Bezirkshauptmannschaft beschlagnahmten die Beamten sackweise Jetons und etwa zehn Pokertische. Außerdem registrierten Polizisten die Namen sämtlicher Spieler.

„Wir haben die Tische behördlich versiegelt und mit Plomben versehen, damit sie nicht mehr eingesetzt werden können“, erzählt Kriminalreferent Walter Gaschnig vom Polizeibezirkskommando in Kufstein.

Eine Maßnahme, die ihre Wirkung verfehlte: Noch am selben Abend mussten Kufsteiner Polizisten bei einer weiteren Kontrolle feststellen, dass das Turnier im Gang war. „Wir haben die versiegelten Tische entfernt und einfach durch andere ersetzt. Auch für die beschlagnahmten Jetons hatten wir Ersatz“, bestätigt Betreiber Zangger: „Das Turnier wurde selbstverständlich fortgeführt und auch beendet.“

Zangger ist sich keiner Schuld bewusst: „Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und alles ordnungsgemäß bei der Gemeinde angemeldet. Ich verstehe nicht, warum jetzt so ein Theater gemacht wird.“

Der Casino-Chef verweist weiters darauf, „dass ich knapp 50 Arbeitsplätze geschaffen und auch das Kufsteiner Nachtleben etwas belebt habe. Und die Abgaben, die ich leiste, sind durchaus beträchtlich.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 17.03.2010
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