Innsbruck
Ja zum Leben sagen
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Das ist das Down-Syndrom: In jeder Körperzelle gibt es 23 Chromosomenpaare. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden – darum der Name Trisomie 21. Down-Syndrom-Kinder entwickeln sich geistig und motorisch langsamer. Der lange gebrauchte Begriff Mongolismus wird nicht mehr verwendet.
Welt-Down-Syndrom-Tag: Am heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag findet im Innsbrucker Dom um 10 Uhr ein Familiengottesdienst statt, mitgestaltet vom Verein Down-Syndrom-Tirol.
Von Irene Rapp
Innsbruck – Die Zeit ist nicht stehen geblieben in den vergangenen 20 Jahren. „Die Rahmenbedingungen für Menschen mit Down-Syndrom haben sich sehr verbessert“, nennt Sylvia Andrich vom Verein Down-Syndrom-Tirol eine positive Auswirkung. So sei heute die Frühförderung von betroffenen Kindern gang und gäbe, die Integration in Kindergarten und Schule würde ebenfalls gut funktionieren.
Die Kehrseite der Medaille: Auch in der Medizin ist die Zeit nicht stehen geblieben – Stichwort pränatale Diagnostik. Damit kann schon während der Schwangerschaft eine Aussage darüber gemacht werden, ob das noch ungeborene Kind das Down-Syndrom hat oder nicht. Mit fatalen Auswirkungen: Rund 90 Prozent dieser Schwangerschaften werden abgebrochen.
Zu sehr sei offensichtlich noch in vielen Köpfen das Bild des „mongoliden Kindes“ verankert, das sein Leben lang auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Und zu unvermittelt würden betroffene Eltern von der Medizin mit einer unvorstellbaren Diagnose konfrontiert, samt der Möglichkeit, dass man das Kind ja nicht zur Welt bringen muss.
Dass sich werdende Eltern trotz der Diagnose für das werdende Leben entscheiden, kommt dennoch immer wieder vor. „In Großbritannien ist die Zahl der Abtreibungen bei Down-Syndrom gesunken“, weiß Andrich. In einer Umfrage gaben die Eltern als Grund an, dass sich die Chancen und Lebensbedingungen für Betroffene verbessert hätten. Auch für Sylvia Andrich und ihren Mann stand die Frage „Ja oder Nein“ nicht im Raum. Als die 35-jährige Innsbruckerin während der Schwangerschaft mit besagter Diagnose konfrontiert wurde, beschloss das Ehepaar, das Kind trotzdem zu bekommen. „Vielleicht deswegen, weil wir schon vorher ein Kind mit Down-Syndrom kannten und kein Schreckensbild im Kopf hatten.“
Eine Entscheidung, die das Ehepaar nie in Frage gestellt hat – und hätte Sylvia Andrich heute drei Wünsche frei, wäre ganz sicher nicht der darunter, dass die sechsjährige Helena kein Down-Syndrom hat. „Dann wäre sie ja nicht mehr unsere Helena“, sagt Andrich über die Tochter – die fröhlich, feinfühlig und stur sein kann und für ihr Leben gerne tanzt und singt.
Dafür hat Andrich als Mitglied des Vereins Down-Syndrom-Tirol einen anderen Wunsch: „Werdende Eltern, die mit dieser Diagnose konfrontiert werden, sollten in der Entscheidungsfindung unterstützt werden. Vielleicht, indem sie Kontakt zu einer Familie mit einem Kind mit Down-Syndrom aufnehmen.“
Denn natürlich bedeute das Leben mit einem betroffenen Kind mehr Aufwand. „Aber es ist auch bereichernd und man lernt viel dabei“, sagt Andrich – u.a. was wirklich wichtig sei im Leben. Infos auf www.down-syndrom.at.




