30.08.2010, 14:40  Aktualisiert: 17.02.2011, 09:58 

Forschung

Forscher sehen Krebsmetastasen als Schwachstelle eines Tumors

Innsbrucker Forscher wollen nun im Blut zirkulierenden Krebszellen „ausspionieren“.
Innsbrucker Forscher untersuchen die Krebszellen, die im Blut zirkulieren. Symbolfoto: dpa

Innsbruck/Wien – Krebsmetastasen, sogenannte Tochtergeschwüre, sind oft problematischer und schwieriger zu behandeln als der ursprüngliche Tumor. Nun wollen Wissenschafter im Rahmen des K1 Zentrums Oncotyrol in Innsbruck quasi den Spieß umdrehen und im Blut zirkulierende Krebszellen - welche zu Metastasen führen können - ausspionieren. Die Infos sollen entscheidende Hinweise für die Therapie der Krankheit liefern.

Oncotyrol versteht sich als Zentrum für personalisierte Krebsmedizin, in dem Uni-Institute gemeinsam mit privaten Firmen und Pharmakonzernen ans Werk gehen. Unter der Leitung von Michael Speicher von der Medizinischen Universität Graz werden in einem gemeinsamen Projekt mit der Med-Uni Innsbruck im Blut zirkulierende Zellen von Brust- und Prostatakrebs isoliert und analysiert.

Im Zentrum stehen 100 mögliche Genmutationen, so soll für die Zellen gleichsam ein individuelles Tumorprofil erstellt werden. Daraus wiederum ergeben sich entscheidende Hinweise für die abgestimmte Behandlung. In einem ersten Schritt soll gezeigt werden, ob die zirkulierenden Zellen die gleichen Mutationen aufweisen wie der primäre Tumor. Wenn dem so ist, könnten in Folge invasive, belastende Methoden der Untersuchung, etwa Biopsien, durch Blutanalysen ersetzt werden.

Erst vor wenigen Tagen meldete Oncotyrol im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche die Kooperation mit dem Pharmakonzern Roche Diagnostics. Gemeinsam soll die Analyse von Krebszellen im Blut zu konkreten Therapien führen.

Im Rahmen von Oncotyrol sollen auch Protein-Protein-Interaktionshemmer als neue Wege der Krebsbehandlung ausgelotet werden. So geht es in einem Konsortium mit der University of Southhampton (Großbritannien) darum, die Wechselwirkung zwischen BAG-1 Protein und zwei seiner bekannten Interaktionspartner, dem Hitzeschockprotein 70 (Hsp70) und den RAF Kinasen zu blockieren.

BAG-1 gilt als „Überlebensprotein“ von Krebszellen. Es hilft ihnen, dem Zelltod zu entgehen, sich zu vermehren und im Körper auszubreiten. „Krebspatienten, bei denen BAG-1 in erhöhter Menge nachweisbar ist, haben oft schlechtere Krankheitsverläufe“, so die Forscher. RAF Kinasen sind in etwa zehn Prozent aller Tumoren verändert und finden sich etwa beim Melanom in 60 Prozent der Erkrankungen in veränderter Form. Auch diese Proteine fördern Wachstum und Überleben von Krebszellen.

Die Verhinderung krebsauslösender Protein-Partnerschaften ist ein aktueller Trend in der Pharmaforschung. Im Gegensatz zu sehr breit wirkenden Therapien, bei denen ganze Signalwege ausgeschaltet werden, sollen mit dem neuen Ansatz nur ganz bestimmte, für das Tumorwachstum notwendige Protein-Protein-Interaktionen unterbunden werden. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 30.08.2010  14:40
aktualisiert: Do, 17.02.2011  09:58
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