24.01.2010

Wohnen

Geschichte vom weißen Gold

Am 23. Jänner 1710 wurde in Dresden die erste Porzellanmanufaktur gegründet. Damit begann der Siegeszug eines Materials, das für die gekrönten Häupter Europas denselben Wert hatte wie echtes Gold. Auch heute noch wird Porzellan als Wertanlage geschätzt.
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Kunstvolle Arbeit

Manu factum est: Ebenso wie Meissener wird auch Wiener Porzellan seit fast 300 Jahren in reinster Handarbeit gefertigt. Ein Rundgang durch die heutige Erzeugungsstätte von Augarten zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wird.

Fertigung: Zunächst wird das Rohmaterial in Form gebracht, dann wird es gegossen oder gedreht, geputzt und das erste Mal gebrannt. Anschließend wird das Rohporzellan signiert, glasiert und ein zweites Mal gebrannt.

Bemalen: Die Porzellanmalerei kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen – Meisterdekore oder Meisterstücke mitunter bis zu sechs Wochen.

Von Michaela Darmann

Bis ins 18. Jahrhundert versuchten Alchimisten Gold herzustellen. Auch der sächsische Kurfürst August der Starke träumte davon. Daher kam ihm die Kunde, Johann Friedrich Böttger könne Gold aus unedlen Metallen erzeugen, gerade recht. Zusammen mit dem Naturwissenschafter Ehrenfried Walther von Tschirnhaus tüftelte Böttger lange Zeit erfolglos an der Goldherstellung. Bis den beiden 1708 durch Zufall etwas ganz anderes gelang: Sie entwickelten das erste europäische Porzellan. Der Kurfürst erkannte schnell, dass dieses Material fast denselben Wert hatte wie echtes Gold. So wurde Porzellan fortan das „weiße Gold“ genannt. Am 23. Jänner 1710 gründete August der Starke in Dresden die erste Porzellanmanufaktur mit dem Namen Meissen. Bald entstanden in ganz Europa weitere Porzellanmanufakturen – wie im Jahr 1718 Augarten in Wien.

Von Meissen aus nahm der Siegeszug des europäischen Porzellans seinen Anfang. Zunächst wurde Porzellan auf den fürstlichen Tafeln als Service für Kakao und Kaffee genutzt. Und während man bislang fast nur von Gold- und Silberservice speiste, löste nun Porzellan vor allem Gold als Essgeschirr ab. Doch Porzellan änderte nicht nur die höfische Ess- und Tafelkultur. Am Hofe Friedrichs II. erkannte man bald, dass Porzellan auch als diplomatisches Geschenk geeignet war.

Seit 1710 fertigt die erste europäische Porzellanmanufaktur das berühmte Meissener Porzellan in traditioneller Handarbeit. Tafelservice, Figuren und Accessoires werden bis heute von den Mitarbeitern der Manufaktur per Hand geformt, bearbeitet und kunstvoll bemalt. „Meissener Porzellan hat seit jeher große Bedeutung als Kunst- und Wertanlage“, betont Christian Kurtzke, Vorsitzender der Meissen-Geschäftsführung. Und auch die limitierte Edition habe international großes Interesse geweckt. Mit der Jubiläums-Edition sowie mit zahlreichen Veranstaltungen wird nämlich heuer in Dresden dem 300. Jubiläum des europäischen Porzellans gedacht.

Auch die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten blickt als eine der ältesten auf eine fast 300-jährige Geschichte zurück. Wiener Porzellan ist weltberühmt für seine zarte und anmutige Form, die Reinheit der Linien und die exquisite Ausarbeitung. Die Speisetellerserie LUCY.D ist nur ein Beispiel dafür, wie Augarten ehrwürdige Tradition mit zeitgemäßem Design vereint. Im Zeitalter der Massenproduktionen aus Fernost erlebe Porzellan allerdings einen Imagewandel, gibt Claudia Uth, Director Products & Marketing, von Augarten Wien zu Bedenken. „Wir punkten als kleinste europäische Manufaktur mit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit.“ Augarten sei ein Stück österreichisches Kulturgut, wobei der Kunde zwischen Stücken aus Barock, Biedermeier oder modernem Design wählen könne. „Man kommt heute, bedingt durch Kochshows und ein geändertes Freizeitverhalten, immer mehr zurück zur Tafelkultur in den eigenen vier Wänden. Somit ist Augarten-Porzellan in jedem Fall zeitgemäß.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 24.01.2010
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