11.04.2010

Automarkt

Vespen-Königin GTS 300 Super

Die kraftvollste Vespa, die es je gab, präsentierte Piaggio mit der GTS 300 Super. 22 PS lassen den italienischen Klassiker nun jeden Ampelstart gewinnen. Der Leistung angepasst sind mittlerweile auch die Bremsen.
Infobox

Die Technik

Motor:Einzylinder-Viertakter

Hubraum:278 ccm

Drehmoment:22,3 Nm bei 5000 U/min

Leistung:16 kW/22 PS

Radstand:1370 mm

Gewicht:148 kg

Sitzhöhe:790 mm

Tankinhalt:9 l

Höchstgeschwindigkeit:125 km/h

Kraftübertragung:CTV-Getriebe

Preis:5800 Euro

Von Franz Farkas

Die GTS 300 Super ist die größte Vespa aller Zeiten. Das 145ste Modell der Firma aus dem oberitalienischen Pontedero stellt in 62 Jahren den vorläufigen Endpunkt von über 17 Millionen Exemplaren dar.

Eine rot lackierte Schraubenfeder im Vorderrad, ein paar Lüftungsschlitze und schwarz lackierte Felgen unterscheiden die Top-Vespa von ihren Schwestern. Der Rahmen, gleichzeitig auch Schürze und Trittbrett, ist wie jeher aus Blech.

Dafür ist unter der nos­talgisch angehauchten Karosse modernste Technik verborgen. Der Viertakt-Einzylinder ist nun speziell auf ein Drehmoment im unteren Drehzahlbereich abgestimmt, um eine gute Beschleunigung und genug Kraft auch auf der Stadtautobahn zu erzielen.

Das zahlt sich in der Praxis aus. Kräftig zieht der Single unter sonorem Brummen die Vespa von der Ampel weg, nur PS-starke Autos mit einem mit schnellem Kupplungsfuß gesegneten Fahrer können vielleicht mithalten. Schnell, allzu schnell ist man in Geschwindigkeitsbereichen angelangt, die auch auf der Stadtautobahn eine seriöse Gefahr für den rosa Zettel bedeuten. Dabei gibt sich das Fahrwerk erstaunlich stabil, hier kann der Blechpressverbund wieder Punkte sammeln. Nach einiger Gewöhnung sind auch schnelle Schräglagenwechsel möglich, bis hin zu kratzenden Geräuschen von den Trittbrettern.

Lediglich in höheren Geschwindigkeitsbereichen muss man bei heftigen Lenkmanövern etwas vorsichtiger sein, die kleinen Räder machen das ansonsten tadellose Fahrwerk etwas kipplig. Wesentlich verbessert hat man den Federungskomfort. Straff, aber nicht unangenehm abgestimmt, schlägt die Hinterhand auch im Soziusbetrieb nicht durch. Ausgezeichnete Bremsen, nicht immer eine Paradedisziplin der Vespen, sind nun ebenfalls an Bord, ABS ist jedoch nur bei der 250er erhältlich.

Wer etwas unterbringen will, der greift am besten zum optionalen Topcase. Es schluckt einen Vollvisierhelm und eine dünne Jacke. Intelligent ist auch das Cover, eine Art Decke zwischen Schürze und Beinen des Fahrers, es hält Hose und Schuhe trocken und sorgt für guten Kälteschutz. Verarbeitungsmäßig konnten wir im Gegensatz zu früheren Modellen wenig meckern, hier haben die Italiener einen guten Standard erreicht.

Dazu kommt der Kultbonus der Vespa, der im Rollersegment unübertroffen ist.

Dafür ist auch die 300er mit einem Einstandspreis von über 5000 Euro absolut kein Sonderangebot, aber die Preise für Gebrauchte machen sie wie alle anderen Modelle fast schon zu einer Wertanlage.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 11.04.2010
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