02.02.2010, 12:16  Aktualisiert: 06.02.2010, 08:17 

Service

Digitale Graffiti im virtuellen Raum

Die Universität Linz führt ein intelligentes Informationssystem mit Ortsbestimmung via WLAN ein.
Die Uni Linz gehört zu den ersten großen Anwendungen für das System. Geplant sind auch Lösungen für Flughäfen. Foto: Keystone

Frankfurt/Main – Ein neuartiges Informations- und Kommunikationssystem können demnächst die Studenten in Linz nutzen. Das gemeinsam mit Siemens entwickelte System „Digital Graffiti“ zeigt ihnen auf dem Handy an, in welchem Hörsaal ihre Vorlesung oder wo gerade eine Fete stattfindet. „Digital Graffiti ermöglicht es, Mitteilungen gewissermaßen in den öffentlichen Raum zu sprayen, ohne dass dieser verschmutzt wird“, erklärt der Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Johannes-Keppler-Universität Linz, Gustav Pomberger.

Die geokodierten Informationen können gezielt für bestimmte Nutzer und in bestimmten Zeiträumen zugestellt werden. Das Projekt ist ein Beispiel für standortbezogene Dienste („location based services“), die den jeweiligen Aufenthaltsort des Nutzers dazu verwenden, die in diesem Kontext gerade nützlichen Informationen anzuzeigen. Im Unterschied zu anderen Diensten kommt bei Digital Graffiti keine GPS-Ortung zum Einsatz, sondern eine besondere WLAN-Technik. Diese funktioniert auch in Gebäuden und geschlossenen Räumen mit einer Genauigkeit von drei bis fünf Metern.

„Wir haben mehrere Access Points installiert und an einzelnen Punkten gemessen, wie hoch die Feldstärke im WLAN-Netz ist“, erklärt der Projektleiter bei Siemens Corporate Technology (CT), Dieter Kolb. „Aufgrund eines Vergleichs mit der Datenbank wird dann die genaue Position ermittelt.“ Und weil sich die Feldstärke ändert, wenn etwa ein neuer Schrank aufgestellt wird, werden die Daten mehrfach ermittelt: „Das ist ein lernendes System, das im Lauf der Zeit immer besser wird.“

Das Handy des Studenten oder der Studentin meldet dem Uni-Server in regelmäßigen Abständen den Standort. „Jetzt schaut der Server in seiner Datenbank nach und fragt: Was gibt es an dieser Stelle für Informationen, die relevant sind?“ Die Ergebnisse werden in Datenpakete im Format des Internet-Protokolls (IP) verpackt und an das Handy geschickt.

Eine Kartensoftware zeigt die Informationen auf dem Handy an, wobei der Nutzer filtern kann, was er sehen will - so dass etwa nur Vorlesungen, nur Seminare oder nur die nächsten Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr angezeigt werden. Die Studenten können auch Informationen untereinander austauschen - etwa um Kommilitonen zu einem Fest einzuladen oder einen Partner für das gemeinsame Lernen in einem Seminar zu finden. „Wir sind gespannt, welche Kreativität die Studenten entwickeln, um dieses System für ihr Social Networking zu verwenden“, sagt Projektleiter Kolb.

Die Graffiti-Applikation ist ein Java-Programm, das auf allen Mobiltelefonen läuft, die diese Technik unterstützen. Im Test mit 200 Nutzern der Universität kamen vor allem Nokia-Geräte der N- und E-Reihe sowie Sony-Ericsson-Handys zum Einsatz. Ab März soll Digital Graffiti dann allen mehr als 13.000 Studenten der österreichischen Universität wie auch den 2000 Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Neben der mit MySQL laufenden Uni-Datenbank können auch externe Datenbanken eingebunden werden.

Die Uni Linz gehört zu den ersten großen Anwendungen für das System. Professor Pomberger versichert, dass kein Student Angst haben muss, dass mit dem neuen Informationssystem die Dauer seines Aufenthalts in der Uni-Kneipe festgehalten werde. „Im Unterschied zu Google und anderen tracken wir nicht“, erklärt der Informatiker. „Der Server weiß nach einer Sekunde nicht mehr, wo der Nutzer war.“ (apn)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 02.02.2010  12:16
aktualisiert: Sa, 06.02.2010  08:17
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