08.09.2010, 11:31  Aktualisiert: 03.03.2011, 16:50 

Literatur

Rabinovici unter den Finalisten zum Deutschen Buchpreis

Der Österreicher zählt mit seinem Roman „Andernorts“ (Suhrkamp) zu den sechs Finalisten, die darauf hoffen dürfen, den Deutschen Buchpreis 2010 entgegenzunehmen.

Wien/Frankfurt - „Ich freue mich sehr darüber. Aber ich freue mich schon, seit ich auf der Longlist bin.“ So reagierte Doron Rabinovici am Mittwoch Mittag auf die Bekanntgabe, dass er es mit seinem Roman „Andernorts“ auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat. „Schließlich gibt es ja auch sehr gute Romane, die es weder auf die Long-, noch auf die Shortlist geschafft haben.“

Der Veranstaltung am 4. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römer, wo die sechs Finalisten nach Art der Oscar-Verleihung live erfahren werden, wer gewonnen hat, sieht er durchaus entspannt entgegen: „Als junger Autor war ich beim Bachmann-Preis“, verwies er auf sein erstes, damals überaus heftiges Konfrontiertwerden mit den Mechanismen des Literaturbetriebs und seinen Showelementen. 1994 war seine Teilnahme durchaus erfolgreich: Der damals 33-Jährige konnte beim Wettlesen das 3sat-Stipendium gewinnen.

Mit „Andernorts“, in dem ein zwischen Israel und Österreich pendelnder Wissenschafter in eine tiefe Lebenskrise gerät, hat sich der 1961 in Tel Aviv geborene und seit 1964 in Wien lebende Rabinovici sechs Jahre nach seinem Roman „Ohnehin“ wieder eindrucksvoll als Autor zurückgemeldet. „In Deutschland werde ich ohnehin nur als Schriftsteller wahrgenommen. Hierzulande gibt es aber eine doppelte und dreifache Wahrnehmung, die das ein wenig überlagert. In Österreich gelte ich auch als Aktivist, als engagierter Intellektueller und als Historiker. Das bremst vielleicht die Begeisterung, einen Roman von mir nur als solchen wahrzunehmen.“

Köhlmeier ausgeschieden

Neben ihm haben es Jan Faktor („Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“), Thomas Lehr („September. Fata Morgana“), Melinda Nadj Abonji („Tauben fliegen auf“, erschienen im österreichischen Verlag Jung und Jung), Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek („Rabenliebe“) und Judith Zander („Dinge, die wir heute sagten“) auf die Shortlist geschafft. Im Gegensatz zu Michael Köhlmeier, der sich mit „Madalyn“ als zweiter Österreicher auf der Longlist befunden hatte und nun nicht mehr im Rennen ist.

„Einen Tag lang haben wir über die Kandidaten für unsere Shortlist diskutiert. Nicht immer, das gehört dazu, waren wir uns einig. Wir freuen uns, nun sechs außergewöhnliche Finalisten zu präsentieren, sechs sehr unterschiedliche literarische Stimmen: poetisch, komisch, experimentell. Es sind Romane, deren Gemeinsamkeit wohl vor allem in ihrer Welthaltigkeit zu finden ist“, wurde Jurysprecherin Julia Encke, Literaturkritikerin bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in der Aussendung der Jury zitiert.

Preisvergabe am 4. Oktober

Die sieben Jurymitglieder haben in den vergangenen fünf Monaten insgesamt 148 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2009 und dem 8. September 2010 erschienen sind.

Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro. Mit dem Deutschen Buchpreis 2010 zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus.

Die sechs nominierten Romane für den Deutschen Buchpreis 2010:

Jan Faktor, Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag (Kiepenheuer & Witsch)

Thomas Lehr, September. Fata Morgana (Carl Hanser Verlag)

Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen auf (Jung und Jung Verlag)

Doron Rabinovici, Andernorts (Suhrkamp Verlag)

Peter Wawerzinek, Rabenliebe (Galiani Berlin)

Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten (Deutscher

Taschenbuchverlag) (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 08.09.2010  11:31
aktualisiert: Do, 03.03.2011  16:50
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