12.08.2010

Innsbruck

Literarischer Leichenschwund

In seinem Krimi-Debüt „Die Schöne und der Tod“ schickt der Tiroler Autor Bernhard Aichner einen unkonventionellen Totengräber auf Mörderjagd. Fortsetzung erwünscht!
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Das Buch

Bernhard Aichner: „Die Schöne und der Tod“; Krimi (Haymon tb); 249 Seiten. Am 14. September findet in der Wagner‘schen/Thalia-Buchhandlung die Buchpräsentation statt, am 20. August (19 Uhr) geht auf der Adolf-Pichler-Hütte eine Lesung über die Bühne.

Von Christiane Fasching

Innsbruck – Max Broll lebt vom Tod – Leichen pflastern seinen Weg und er wiederum ebnet den Verstorbenen den Weg in die Ewigkeit. Max Broll ist Totengräber – wie es einst sein Vater Bert war, der mittlerweile nicht mehr unter den Lebenden weilt. Kein schlechter Job, schließlich geht einem die Kundschaft nie aus.

Manche allerdings gehen viel zu früh. Wie Marga, die schöne Schwester von Max‘ großer Liebe Emma, die er sitzen ließ, als er das Erbe seines Vaters antrat. Und dafür sein altes Leben inklusive angehender Journalistenkarriere in Wien aufgab, um wieder in sein Heimatdorf zurückzukehren und Gräber zu schaufeln. Jetzt gilt es, das von Marga auszuheben – einer Schönheit, der das Leben übel mitspielte. Die Magersucht machte ihre Modelkarriere zunichte, ein Casting-Format, in dem Landwirte Hof-Gesellschaft suchen, hievte sie noch einmal ins Rampenlicht. Doch das Happy End blieb aus, stattdessen stürzte sich Marga in den Tod. Oder wurde sie – wie Emma es vermutet – gestoßen? Sei‘s, wie‘s ist – die ewige Ruhe ist der Toten nicht vergönnt. Denn plötzlich ist ihr Grab leer. Und Max voller Tatendrang – Leiche lässt er sich keine klauen. Aber wer stiehlt eine Tote? Margas Ehemann August? Ihr dubioser Manager Kattnig oder doch Dennis, Max‘ jugendlicher Schützling, der im Dorf nicht den besten Ruf hat? Die Frage ist kaum verklungen, da muss Max wieder ein Grab für einen jungen Menschen ausheben. Zufall kann das keiner sein.

Der Tiroler Schriftsteller Bernhard Aichner, der zuletzt „Schnee kommt“, einen fesselnden Roman mit Kammerspielcharakter veröffentlicht hat, wagt sich mit „Die Schöne und der Tod“ erstmals ins Krimi-Eck. Und tut gut daran. Denn obwohl der Titel des mörderischen Debüts etwas seicht anmutet, läuft der spannende Plot nie Gefahr, ins Banale abzugleiten.

Das wiederum liegt an den akzentuierten Figuren, die Aichner gekonnt zeichnet. Allen voran Protagonist Max Broll, der das Zeug zum Serientäter hat. Der unkonventionelle Totengräber, der gern nackt im Friedhofsgarten sauniert, mit dem Dorfpfarrer keppelt und Wein wie Weib nicht abgeneigt ist, hebt sich von herkömmlichen 08/15-Hobbykommissaren ab. Wird man doch das Gefühl nicht los, dass das Schnüffeln nicht allein dem Selbstzweck dient, sondern dem makelbehafteten Helden vielmehr dabei hilft, Antworten auf Fragen zu finden, die auch sein eigenes Dasein betreffen.

Zur Seite steht ihm der Ex-Fußballer Baroni, den es nach seiner Kickerkarriere wieder in das Dorf seiner Jugend zog. Dort hadert er wie Max mit seiner Vergangenheit, die er sich vornehmlich mit Hochprozentigem schöntrinkt. Ein schräges Paar, das beim Leser auf Sympathie stößt – mit den beiden Herren würde man gern einen heben gehen.

Aichner schreibt schnörkellos, teils stakkatoartig. Wie aus der verbalen Pistole geschossene Sätze ziehen einen ins Geschehen. „Wie Baroni auf ihn einredet, ihn festhält. Wie plötzlich Tränen über Augusts Gesicht rinnen. Wie er verzweifelt dasitzt. Max will das nicht, er will diese Tränen nicht sehen, er kann nicht, keine Trauer, dieses traurige Gesicht geht ihn nichts an, es geht ihn nie etwas an“, heißt es in einer Nüchternheit, die fesselt. Aus dem Leben – oder einem Drehbuch – gegriffen muten die Dialoge an, die zusätzliche Vitalität in die verzwickte Leichen- und schlussendlich auch Mördersuche bringen, die man nur ungern wieder aus der Hand legt.

Von Max Broll, Baroni und Co. würde man gern noch mehr lesen. Und kann es auch. Derzeit arbeitet Bernhard Aichner an der Fortsetzung, die im Sommer 2011 erscheinen soll. Glaubt man dem Autor, dann wird‘s „eine wahnsinnig spannende Geschichte. Zum Fürchten.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 12.08.2010
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