31.07.2010

Der Unnahbare und das Unbekannte

Neben Miles-Davis-Porträts von Starfotografen wie Leibovitz und Corbijn zeigt das Fotoforum Malerei der Jazz-Legende.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck – 1987 war Tirol offenbar noch nicht bereit für Miles Davis, dabei hatte der Mann da längst Jazzgeschichte geschrieben, sogar Höhen und Tiefen seiner außerordentlichen Karriere durchlebt. Das vom damaligen Utopia organisierte Bergiselfestival im Juni 1987, bei dem Miles Davis übrigens vor Udo Lindenberg auf der Bühne stand, konnte dennoch nicht genügend Besucher anlocken. Und wurde zum „finanziellen Fiasko“, erinnert sich Jazzveranstalter Henner Kröper, der den damaligen Organisatoren beratend wie auch beobachtend zur Seite gestanden war.

Tirol war also noch nicht so weit. Und 1991 war es zu spät: Miles Davis starb im Alter von 65 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles. Im selben Jahr hätte er Innsbruck neuerlich einen Besuch abstatten sollen – er war als Höhepunkt des Treibhaus-Festivals „Jazz am Inn“ angefragt, den Zuschlag bekam allerdings das niederländische Northsea-Festival.

Für jene, die 1987 am Berg­isel dabei waren, hat die Ausstellung „Miles Davis Bilder“ wohl auch so etwas wie einen nostalgischen Wert. Zumal bei der heutigen Eröffnung (19 Uhr) ein Gespräch mit Miles-Davis-Kenner Kröper samt Musikbeispielen auf dem Programm steht. Spannend ist aber auch das Gezeigte: Denn abgesehen davon, dass der Künstler im Lauf seiner Karriere von einer ganzen Reihe internationaler Starfotografen abgelichtet wurde, hat er sich auch selbst künstlerisch betätigt: als Maler und Zeichner, in unterschiedlichen Techniken und mit klaren künstlerischen Vorlieben, wie er sie etwa in seiner 1990 erschienenen Autobiografie beschreibt: Salvador Dalí habe ihn deshalb so beschäftigt, „weil er bei der Darstellung des Todes so viel Phantasie zeigte. Genau das war meine Vorstellungswelt. Außerdem gefiel mir der Surrealismus in seinen Bildern“, heißt es dort. Freilich ist der Glaube an das „Phänomen künstlerischer Doppelbegabung“, wie es im Ausstellungstext heißt, angesichts einer ganzen Reihe von mehr oder minder begabten malenden Musikern eine ziemlich subjektive Angelegenheit. Und Miles Davis‘ Arbeiten können einem Vergleich mit künstlerischen Vorbildern oder Verwandten wohl kaum standhalten. Aber sie geben immerhin Einblick in sein Bestreben, die akustischen Gemälde, die er als Musiker und Meister der Improvisation schuf, auch auf die Leinwand zu bannen. Signiert hat der Jazztrompeter seine Bleistift-, Buntstift-, Öl- oder Acrylbilder sowie Collagen stets mit dem dynamischen Schriftzug „Miles!“ – jene Arbeiten, die bis 6. Februar im Fotoforum zu sehen sind, stammen wie auch die Fotografien aus einer Schweizer Sammlung.

Starfotografen wie Annie Leibovitz, Anton Corbijn, Peter Reichelt und Jon Roemer haben Miles Davis im Lauf seiner Karriere fotografiert – und wohl auch versucht, die Persönlichkeit des als „schwierig“ und unnahbar geltenden Künstlers einzufangen. Nur aus einem Auge, die Arme über dem Gesicht verkreuzt, blickt Miles Davis dem Betrachter etwa aus Leibovitz‘ in den 1970er Jahren aufgenommenem Porträt aus der Serie „American Music“ entgegen. Eine Mischung aus Verletzlichkeit und Wut strahlt er auf einer Fotografie von Anton Corbijn aus. Welches Bild dem Künstler am meisten entspreche? Kröper will da keine Unterschiede machen: „Wenn er sich auch gewandelt hat, war sein Selbstbewusstsein immer gleich. Selbst wenn er ein Nickerchen im Auto machte.“

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