29.07.2010, 08:58  Aktualisiert: 16.02.2011, 10:25 

20. Todestag

Kreisky: „24 Stunden am Tag für meine Bürger erreichbar“

Bruno Kreisky, der mit 13 Jahren am längsten amtierende Bundeskanzler in der Geschichte Österreichs, starb heute vor 20 Jahren.
Dr. Bruno Kreisky starb am 29. Juli 1990 in Wien. Foto: APA

Innsbruck – Der 1911 als Sohn einer wohlhabenden assimilierten jüdischen Familie geborene Wiener schloss sich bereits mit 15 Jahren der „proletarischer Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeiterjugend“ an. Unter Kanzler Engelbert Dollfuß wurde Kreisky im Zuge der Sozialistenprozesse zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Kurz nach dem Anschluss wurde er erneut verhaftet und vor die Wahl gestellt, entweder Haft oder das Land verlassen.

Bis 1951 lebte der studierte Jurist in Schweden, wo er heiratete und seine beiden Kinder Peter und Susanne auf die Welt kamen. Fünf Jahre später wurde Bruno Kreisky Außenminister Österreichs, eine Position, die er bis 1966 bekleidete. 1970 erreichte die SPÖ unter ihrem neuen Vorsitzenden überraschend die relative Mehrheit im Parlament.

Kreisky bildete eine Minderheitsregierung unter Duldung der FPÖ. Bei den Nationalratswahlen 1971, sowie bei den zwei folgenden Wahlen, eroberte die SPÖ eine absolute Mehrhheit.

Innenpolitisch leitete Kreisky zahlreiche langfristige Reformen im Sozial- und Rechtssystem ein. So fällt die Einführung der Fristenlösung soiwe die Legalisierung der Homosexualität in seine Amtszeit.

Lieber ein paar Millionen Schulden, als ein Arbeitsloser mehr

Finanzpolitisch betrieb Kreisky zur Aufrechterhaltung möglichster Vollbeschäftigung den Kurs eines so genannten „deficit spendings“. Dies führte zu einer Verdreifachung der Staatsschulden von 15 auf über 45% des BIP. „Mir bereiten ein paar Millionen mehr Schulden weniger schlaflose Nächte als ein paar hunderttausend Arbeitslose mehr“, meinte der damalige Bundeskanzler auf die Staatsverschuldung angesprochen.

Nachdem die SPÖ bei der Nationalratswahl 1983 nicht mehr die absolute Mehrheit bekam, lehnte Kreisky eine weitere Kanzlerperiode ab. Die SPÖ machte ihn darauf zu ihrem Ehrenvorsitzenden - ein Amt, das er 1987 nach Streitereien mit „seiner“ Partei zurücklegte.

Bruno Kreisky erhielt während und nach seiner politischen Karriere zahlreiche Ehrungen und Doktorwürden. Er war einer der bekanntesten und bedeutendsten Politiker der sozialistischen Bewegung und gilt als großer österreichischer Staatsmann.

Am 29. Juli 1990 starb er in Wien. Kreisky wurde unter großer Anteilnahme hochrangiger Politiker und Würdenträger aus dem In- und Ausland in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Faymann würdigt Ex-Kanzler

Anlässlich des 20. Todestages hat Bundeskanzler Werner Faymann seinen Vorgänger als „eine der herausragendsten politischen Persönlichkeiten der Zweiten Republik“ gewürdigt. „Die Werte und Haltungen, die Bruno Kreisky damals so nachdrücklich vertreten hat, zum Beispiel, wie wichtig Verteilungsgerechtigkeit für den Wohlstand und eine Gesellschaft sind, all das ist heute aktueller denn je“, sagte Faymann.

„Das innen- wie außenpolitische Vermächtnis Bruno Kreiskys ist zeitlos. Seine Werthaltungen und Prinzipien sind heute Aufgabe, Verpflichtung und Herausforderung für unsere, aber auch für die künftigen politischen Generationen.“

Gleichzeitig verwies Faymann auch auf das hohe Ansehen, das Kreisky außenpolitisch genoss. „Er setzte sich international für eine aktive Friedens- und Entwicklungspolitik ein und sein Beitrag zur Beilegung des Nahost-Konflikts wurde international viel beachtet und brachte Österreich hohes Ansehen.“

Für Faymann steht fest: „Das politische Wirken Bruno Kreiskys hat bis heute Bestand - für die Sozialdemokratie und Österreich.“

Gschwentner: Ein herausragender Politiker und Mensch

„Bruno Kreisky war ein herausragender Politiker und Mensch, der bis dato seinesgleichen sucht“, betont der Tiroler SPÖ-Vorsitzende Hannes Gschwentner.

Wie kein anderer Politiker zuvor und danach hat die „Ära Kreisky“ Österreich ihren Stempel aufgedrückt und zur Gestaltung eines modernen Landes in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Wohnbau, Bildung, Kultur, Justiz, Gesundheit und Umweltschutz beigetragen.

Dabei sind als größte Vorhaben unter anderem der Arlberg-Straßentunnel – der damals längste der Welt -, das Bergbauernsonderprogramm mit dem Bergbauerzuschuss und die Chancengleichheit im Bildungswesen zu nennen. „Wie viele in meiner Generation wäre auch mir ohne Kreisky eine höhere Ausbildung verwehrt geblieben, da ich aus einfachen Verhältnissen stammte und nur durch die von ihm eingeführte Schülerfreifahrt und Gratisschulbücher den Zugang zur Bildung ermöglicht bekam“, stellt Gschwentner klar. (mich)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 29.07.2010  08:58
aktualisiert: Mi, 16.02.2011  10:25
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum