Österreich
„Abgas-Pickerl“ ab Mai 2011 - vorerst freiwillig
Wien – Nun scheint es fix: Die Abgasklassen-Kennzeichnungsplakette - kurz: „Abgas-Pickerl“ - soll ab 1. Mai 2011 eingeführt werden, wenngleich ihre Anbringung an der Windschutzscheibe der Autos vorerst freiwillig ist. Sie wird voraussichtlich 15 Euro kosten und für die gesamte Dauer der Zulassung des Fahrzeuges gelten, hieß es am Freitag in einer Aussendung des Umweltministeriums. Zu beziehen wird das Pickerl bei allen Werkstätten sein, die auch Kfz-Überprüfungen vornehmen.
„Es kann zu einer Reduktion der Lebenserwartung von einem Jahr und mehr in Städten mit hoher Luftverschmutzung kommen. Auch die Sterblichkeit von Kleinkindern ist in hoch belasteten Gebieten erhöht. Das heißt wir müssen handeln, letztendlich geht es um Leben und Tod“, betonte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V). „Das neue Pickerl soll nicht nur zur Reduktion der Luftschadstoffe beitragen, es soll gleichzeitig auch ein Anreiz sein, auf moderne und umweltfreundliche Fahrzeuge umzusteigen. Wer will schon gern mit einem ‚Stinker‘ herumfahren?“, so der Minister.
Die Anbringung ist freiwillig und nur für bestimmte Verkehrsabschnitte - wie etwa für speziell ausgewiesene Zonen - verpflichtend. Für einspurige Kraftfahrzeuge ist keine Kennzeichnung vorgesehen. Das Inkrafttreten der neuen Verordnung, die nun in Begutachtung geht, ist für den 1. Mai 2011 vorgesehen. Es ist vorgesehen, dass Landeshauptleute spezielle Zonen einrichten können, die an Tagen drohender Überschreitung der Luftwerte mit abgasintensiven Fahrzeugen nicht befahren werden dürfen. Die Plakette ist lediglich eine Kennzeichnung, auf dem die Abgasklasse abgelesen werden kann, und führt für sich allein noch zu keiner Fahrbeschränkung.
Geteilte Meinungen
Während der VCÖ die geplante Einführung der Plakette begrüßt, steigt der ÖAMTC etwas auf die Begeisterungsbremse. Seine Kritik bezieht sich vor allem auf die Idee von Fahrverbotszonen, die „wenig zielführend im Sinne des Umweltschutzes“ seien.
„Das Pickerl schafft die Voraussetzung für bundesweit einheitliche Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität. Wichtig wäre, dass auch für Mopeds und Motorräder eine Kennzeichnung kommt“, betonte Martin Blum vom VCÖ. Mopeds und Motorräder würden nämlich schlechte Abgaswerte aufweisen. Gleichzeitig gäbe es mit den Elektro-Mopeds bereits heute eine leistbare Alternative, die sauberer und umweltfreundlicher sei.
Wenn der Umweltminister Fahrverbote ermöglichen wolle, dürfe das keinesfalls zu Schikanen und zu einer weiträumigen Ab- oder Entwertung des Fahrzeugbestandes führen, hieß es seitens des ÖAMTC. „Vor allem Fahrzeuge, die nach älteren Euro-Normen genehmigt sind, verfügen oft bereits über sehr gute Feinstaub- bzw. Stickoxid-Werte“, sagte Club-Jurist Martin Hoffer. Und auch freiwillig mit Partikelfilter nachgerüstete Pkw oder Fahrzeuge, die erst kürzlich mit sogenannten Umweltprämien erworben worden seien, dürften keinesfalls von Fahrverboten betroffen sein. (APA)
aktualisiert: Mi, 16.02.2011 10:25




