01.08.2010

International

Die griechische Streikfront bricht

Das Militär hat die Versorgung mit Treibstoff übernommen, die Lage beruhigt sich.

Athen – Nach dem tagelangen Streik der griechischen Tank- und Lastwagenbesitzer können die Bürger und die Hunderttausenden Touristen wieder etwas durchatmen. Die Situation hat sich deutlich entspannt.

Das Militär hat auf Anordnung der Regierung die Belieferung von Krankenhäusern, staatlichen Behörden, Elektrizitätswerken und anderen logistisch wichtigen Bereichen wie Häfen und Flughäfen übernommen und neben Sprit auch frische Lebensmittel ausgeliefert. Rund 250 Militärtankwagen waren im Einsatz, berichtete die Athener Zeitung To Vima. Die Marine sollte abgelegene Inseln versorgen.

Den Notfallplan hatten die zuständigen Minister am Freitagabend bei einer Sitzung in Athen angesichts der zusammenbrechenden Versorgung beschlossen. Behörden in Athen gingen davon aus, dass bis Samstagabend etwa 50 Prozent der Tankstellen im Großraum Athen wieder Treibstoff erhalten haben sollten.

Am frühen Samstagabend gab es in Athen kaum noch Warteschlangen vor den Tankstellen. Auch die Ölraffinerien setzten eigene Tankwagen ein, um die Tankstellen des Landes zu versorgen. Zudem bröckelte in einigen Regionen des Landes die Streikbereitschaft.

Einige Tankwagenbesitzer, die seit Donnerstagmorgen per Ministerialerlass zum Dienst verpflichtet worden sind, nahmen die Arbeit wieder auf. Polizeistreifen überwachten die Transporte, damit sie ungehindert die Tankstellen erreichen können, wie das Fernsehen zeigte.

In der Hafenstadt Thessaloniki bewarfen aufgebrachte Lkw-Besitzer mit Steinen einen Tankwagen. Verletzt wurde niemand, meldete die Polizei.

Auf den Touristeninseln Rhodos, Paros, Naxos und Chios hatte sich die Situation erheblich verbessert, berichtete der staatliche Rundfunk. Dagegen gab es noch erhebliche Probleme in Nordgriechenland und vor allem auf der touristischen Halbinsel Chalkidiki sowie in einigen Regionen der Insel Kreta.

Die Lastwagenbesitzer protestieren seit Montag gegen die geplante Liberalisierung ihres Gewerbes. Die Regierung will ein Gesetz verabschieden, wonach jeder Inhaber eines Lkw-Führerscheins eine Transportlizenz bekommen kann. Er muss nur in der Lage sein, sich einen Laster zu kaufen. Bisher war die Zahl dieser Lizenzen auf etwa 30.000 limitiert und sie kosteten bis zu 300.000 Euro. Die bisher tätigen Transporteure befürchten eine Art Enteignung ihres Vermögens, weil mit der Öffnung ihres Berufes der Wert der Lizenzen deutlich fallen werde. (TT, dpa)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 01.08.2010
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