30.03.2010

International

Warum der Konflikt im Kaukasus weiter köchelt

Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist Mustertext.

Von Floo Weißmann

Moskau – Der neuerliche Terror mitten in der Hauptstadt wird wahrscheinlich der russischen Führung politisch zusetzen, aber zu keiner großen Änderung ihrer Strategie im Nordkaukasus führen. Das vermutete der Innsbrucker Politologe Gerhard Mangott im Gespräch mit der TT.

Bei dem Doppelanschlag vom Montag handle es sich um einen „erneuten Hinweis darauf, dass es nicht gelingt, die Lage im Nordkaukasus zu stabilisieren oder zumindest den Konflikt regional einzudämmen“, analysiert der Russland-Experte. Die Moskauer Zentralmacht ist in der Teilrepublik Tschetschenien seit 17 Jahren in Auseinandersetzungen mit Separatisten und Islamisten verstrickt.

Dass auch nach dieser langen Zeit jederzeit zivile Ziele in ganz Russland getroffen werden können, verunsichere die Bevölkerung. Diese könnte den vormaligen Präsidenten und jetzigen Premier Wladimir Putin verantwortlich machen, glaubt Mangott: „Vor allem Putin wird mit dem militärischen Vorgehen im Nordkaukasus assoziiert.“

Der Experte schließt freilich nicht aus, dass das genaue Gegenteil passiert und viele Russen ein weiteres Mal zum Schluss kommen: „Wenn irgendjemand es schaffen kann, dann Putin.“ Dieser hat vor einem guten Jahrzehnt – nach einer Serie von Anschlägen in Moskau – den zweiten Tschetschenien-Krieg geführt.

Putins Bilanz zeigt allerdings auch, dass der Konflikt mit den Mitteln von Militär und Geheimdienst nie wirklich gelöst werden konnte. Auch wenn Moskau den Nordkaukasus heute offiziell als befriedet ansieht, bleibt die Region ein Krisenherd.

Mangott hebt die „wirtschaftliche Strukturschwäche“ und die „schwierige soziale Lage“ in Tschetschenien und in den angrenzenden Teilrepubliken hervor – bei gleichzeitig hohem Bevölkerungswachstum. Dadurch falle es islamistischen Agitatoren leichter, gerade junge Männer zu mobilisieren.

Die tschetschenischen Separatisten waren noch nationalistisch und säkular orientiert; ihnen ging es um die Unabhängigkeit Tschetscheniens. Schon im ersten Tschetschenien-Krieg haben sich Islamisten abgespalten, die in der Region ein Kalifat errichten wollen. Sie sind laut Mangott mit den Taliban vernetzt und erhalten Geld aus arabischen Ländern.

Auch die „extrem korrupten“ (Mangott) lokalen Clans, die mit Rückendeckung aus Moskau in den Teilrepubliken herrschen, heizen den Konflikt zusätzlich an. Die von ihnen kontrollierten lokalen Behörden „operieren mit äußerster Brutalität“, einer „fast archaischen Blutrache“.

„Moskau weiß, dass es eine umfassende zivile Strategie braucht“, sagt Mangott. Doch angesichts der Wirtschaftskrise und sechs Prozent Budgetdefizit bezweifelt er, dass dieses Vorhaben auch umgesetzt werden kann. „In Wirklichkeit wird es so weitergehen wie bisher“, vermutet Mangott.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 30.03.2010
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum