Innsbruck
SPÖ wählt im Mai Parteichef
Von Peter Nindler
Innsbruck – Die Landesparteivorstände von ÖVP und SPÖ haben gestern intensiv die Wahlergebnisse der Gemeinderatswahlen analysiert. Die Perspektiven waren durchaus unterschiedlich. Während sich die ÖVP mit punktuellen Problemen wie in Kufstein, Wörgl oder Telfs konfrontiert sieht, hat die SPÖ doch in der Inntalfurche und in den Bezirkshauptorten strukturelle Probleme. Darüber können auch die hinzugewonnenen sechs Bürgermeister nicht hinwegtäuschen. Darüber beriet gestern auch der Landesparteivorstand.
War das Oberland in den vergangenen Jahren das rote Aushängeschild, so mussten hier am Sonntag zum Teil herbe Verluste eingefahren werden: Imst (-24 %), Landeck (-22 %), Reutte (-25 %), Telfs (-10 %). Dazu kommen noch Einbußen in den stadtnahen Gemeinden und in den Ballungsräumen im Unterland: Völs (-7 %), Zirl (-6 %), Schwaz (-4,4 %), Kufstein (-3 %), Jenbach (-14 %) oder Wörgl (-7 %). Dass die Ergebnisse in Rum und Wattens gehalten, in Kitzbühel und Lienz ausgebaut werden konnten sowie in Kundl und Radfeld die SPÖ künftig den Bürgermeister stellt, mag jedoch ein Trost sein. Allerdings hat die SPÖ in 26 zentralen Gemeinden von Reutte bis Lienz 23 Mandate verloren. Insgesamt waren es laut SP-Berechnungen bei der Gemeinderatswahl lediglich fünf der 467 Gemeinderatssitze.
Für Parteichef LHStv. Hannes Gschwentner stehen jedoch Wochen der Entscheidung an: Denn der Landesparteivorstand hat gestern den Termin für den Parteitag festgelegt, der am 29. Mai stattfinden wird. Gschwentner wird sich aller Voraussicht nach der Wiederwahl stellen, muss aber mit intensiven Diskussionen rechnen. Zuletzt übte ÖGB-Chef Gerhard Schneider heftige Kritik an Gschwentner, der danach jedoch breite Unterstützung aus der Partei erfuhr.
Innerparteilich gehen die beiden Landtagsmandatare Elisabeth Blanik (Lienz) und Klaus Gasteiger (Kaltenbach) gestärkt aus der Gemeinderatswahl hervor. Blanik gewann zwei Mandate hinzu und schaffte es in die Stichwahl, Gasteiger verteidigte souverän sein Bürgermeisteramt. Beide gelten als Vertraute von Parteichef Gschwentner. Was bereits fix ist: Nach dem Parteitag soll wieder ein Landesgeschäftsführer installiert werden, zuletzt war für diese Funktion der ehemalige Chef der Jungsozialisten Marko Miloradovic im Gespräch.
Die ÖVP bilanzierte am Montag nach der Sitzung des höchsten Parteigremiums positiv. „Wir sind die Gemeinderats- und Bürgermeisterpartei in Tirol. Auch österreichweit haben wir am besten abgeschnitten“, ist Landesparteiobmann LH Günther Platter zufrieden. 230 zusätzliche Gemeinderatssitze habe die ÖVP dazugewinnen können. „Aber natürlich schmerzen die Ergebnisse in Telfs oder Kufstein. In Kufstein kündigte er intensive Analysen an, „doch in allen anderen Bezirkshauptstädten konnten wir zulegen.“ Neun zusätzliche Gemeinderatssitze eroberte dort die Volkspartei. VP-Hauptgeschäftsführer LA Hannes Rauch, der selbst aus Kufstein stammt, ortet den Grund für das nicht wunschgemäße Ergebnis in der Listenvielfalt.
Insgesamt hat die ÖVP am Sonntag jedoch sieben Bürgermeister verloren, mit Ehrwald jedoch einen Gemeindechef wieder zurückgeholt. In den 26 Stichwahlen erwartet sich die ÖVP auch noch einiges – zwölf zusätzliche Bürgermeister werden es zumindest sein, gibt es in zwölf Kommunen doch VP-interne Duelle. Zweifelsohne setzt die ÖVP auf die prestigeträchtigen Gemeinden Reutte, Zams, Zirl und Lienz, wo der Gegenkandidat jeweils von der SPÖ kommt. Apropos Reutte: Die Außerferner Metropole hat die SPÖ noch nicht ganz aufgegeben. Stichwahlkandidat Alois Oberer ist seit mehr als 30 Jahren SPÖ-Mitglied.




