Fußgängerzone wieder Thema
Sozialdemokraten und Grüne wollen in Wörgl eine Wiederbelebung der autofreien Bahnhofstraße. Andere Gemeinderatsfraktionen sind skeptisch und die Kaufleute dagegen.
Von Wolfgang Otter
Wörgl – Nein, Konzept können die Wörgler Sozialdemokraten für eine Fußgängerzone in der Bahnhofstraße nicht vorlegen. Noch nicht, denn „zuerst“, erklärt Vizebürgermeisterin Hedi Wechner, „geht es darum, die Forderung zu stellen und durchzusetzen“. Dann könne man über die Umsetzung reden.
Für Hedi Wechner wären aber auf alle Fälle die Voraussetzungen gegeben, „so wie sie es immer schon waren“. Damit spricht die SP-Vizebürgermeisterin die Zeit an, in der es in der Bahnhofstraße bereits eine Fußgängerzone gegeben hat.
Ab Sommer 2003 gab es an Samstagen für die Dauer von einem Jahr eine autofreie Zone in der Innenstadt. Bald stellte sich heraus, dass zum einen die Kaufleute keine Freude mit der Sperre hatten, zum anderen sich die Pkw-Lenker nicht viel um die Fahrverbotstafel scherten. Viele Autofahrer waren unberechtigt auf der Straße unterwegs, aber auch zahlreiche Anrainer erhielten eine Ausnahmeregelung. So wurde das Experiment vor rund sechs Jahren beendet.
Für Wechner passierte dies nur, „weil der Wille fehlte“, und nicht wegen der Probleme. Solche gibt es jedoch wirklich viele, meint hingegen Emil Dander vom Unabhängigen Forum. „Ich sage zwar Ja zur Fußgängerzone, aber die Rahmenbedingungen müssen passen.“ So ist es für Dander vor der Einführung notwendig, ein Innenstadtkonzept auf die Füße zu stellen. „Dazu braucht es ein Stadtmarketing, das wir nicht mehr haben. Es hat im Vorjahr weder im Herbst noch zur Weihnachtszeit Attraktionen oder Veranstaltungen gegeben.“ Und noch eines sei notwendig: „Die Zustimmung der Anrainer, denn die Straße gehört zum Großteil Privatpersonen und die kann man nicht einfach aussperren.“
Von der Freiheitlichen Wörgler Liste gibt es ein ganz klares Nein zur autofreien Innenstadt. „Dazu fehlen zentrumsnahe Parkplätze in ausreichender Zahl“, sagt Gemeinderat Mario Wiechenthaler. Aber was noch mehr zähle: „Ich habe mit Vertretern der Kaufmannschaft gesprochen und die sind alle dagegen“, erklärt der FWL-Mandatar. „Nicht gegen die Wirtschaft“, sagt auch Bürgermeister Arno Abler. Die Volkspartei hatte 2003 den Antrag für den damaligen Probelauf eingebracht. Jetzt sieht es der Stadtchef anders: „Derzeit gibt es ein Nein. Es fehlen die Regelungen für Zu- und Abfahrten und die Kaufmannschaft hat es schwer genug.“
Bei den Grünen rennen die Sozialdemokraten offene Türen ein. „Die Fußgängerzone ist Teil eines Gesamtverkehrskonzeptes für Wörgl und notwendig“, sagt Gemeinderat Alexander Atzl. Und wenn schon eine Fußgängerzone, dann keine „Lightversion“, sondern die gesamte Woche, mit Ausnahmen für den Zulieferverkehr. „Auch für die Anrainer werden wir eine Lösung finden“, sagt Atzl.
„Wer eine Fußgängerzone verlangt, ist der Totengräber der Bahnhofstraße“, ist hingegen von Kaufmann Marco Pilotto zu hören. Er weiß sich der Unterstützung der Wirtschaft sicher. Laut Pilotto habe es bereits einen Frequenzrückgang gegeben, „wenn man den Verkehr ganz abschneidet, dann wird es noch schlechter“, befürchtet er und verweist auf zu wenige Parkplätze.















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